Montag, 1. Mai 2017

Touch of Flames - Vom Feuer berührt


Allgemeines:

Titel: Touch of Flames - Vom Feuer berührt
Autorin: Mariella Heyd
Verlag: Forever (1. Mai 2017)
Genre: Romantasy
ASIN: B06ZXXTM7L
Seitenzahl: 285 Seiten
Preis: 3,99€ (Kindle-Edition)


 Inhalt:

Als würde es nicht schon reichen, dass ihre Familie aus Boston in eine Geistervilla mitten im Nirgendwo zieht, weiß bald auch jeder, dass Gwens Vater als Dämonologe arbeitet. Ihr Ruf an der neuen Schule ist ruiniert. Ohne ihren einzigen Freund Harry würde sie sicher verzweifeln – und dann ist da auch noch dieser Außenseiter, der von allen „Feuerteufel“ genannt wird und der ihr einfach nicht aus dem Kopf gehen will. Sebastian ist gutaussehend und gibt sich gar nicht erst Mühe, seine dunkle Vergangenheit zu verbergen. 
Es scheint, als spiele Gwen sprichwörtlich mit dem Feuer…
Bewertung:
 DISCLAIMER: Erstmal vielen Dank an die liebe Mariella Heyd, dass wir "Touch of Flames" - in der Frühversion noch "Feuertaufe" - vorab zu lesen bekommen haben!
Dann: Herzlichen Glückwunsch zur Veröffentlichung!

Zu aller erst muss ich ein großes Lob für das Cover aussprechen. Mit den zwei Silhouetten die in einem magisch verschwimmenden Wald stehen und der feurigen Farbgebung passt es perfekt zum Inhalt und ist sehr ansprechen gestaltet und wunderbar ausgearbeitet. Ich hatte zwar nur die Testversion, doch auch die Darstellung innerhalb des Buches kam mir gut vor. Die Kapitel sind sehr lang und innerhalb dessen immer in kleinere Abschnitte geteilt. Auch innerhalb dieser Abschnitte gibt es noch sehr viele kleine Absätze, was mich -wie auch schon bei "Elfenfehde" am Anfang etwas verwirrt, den Lesefluss aber nicht gestört hat. Zuerst kam mir der Titel auch etwas seltsam vor, er passt aber wirklich gut, wenn man die Geschichte im Nachhinein betrachtet!


Erster Satz: "Mom, hast du mein Shirt gesehen?", rief Gwen vom Treppenabsatz hinab."



Das Buch war auch abseits von allem ästhetischen eine positive Überraschung. Zu Beginn hatte ich noch einige wenige Zweifel, da wir sehr gemächlich in den Alltag von Gwen starten, die im Umzugsstress von ihrem Freund verlassen wurde und sich nun in einem neuen Dorf am Ende der Welt zurecht finden muss, was gar nicht so einfach ist, wenn man mit einer eher uncool scheinenden Familie in einer Geistervilla lebt...
Anders als bei ihrem Debüt "Elfenfehde", bleibt die Handlung in der "Normalwelt" und die Fantasy Elemente lassen erstmal auf sich warten. Nach 150 Seiten habe ich mich dann gefragt, ob ich mich bei der Genrebezeichnung nicht vielleicht verlesen habe und es sich bei "Touch of Flames" einfach um einen Young Adult Roman handelt. Doch je mehr passiert, erfahren wir auch Genaueres über die Charaktere und stoßen auf das ein oder andere spannende Geheimnis...

Als die Handlung dann erstmal angefangen hat, übernatürlich zu werden, wird es plötzlich mega spannend und eines führte zum nächsten. Es brauchte zwar eine lange Anlaufzeit, bis mal wirklich etwas passiert, doch dadurch kann man wirklich in die Charaktere hineinfühlen und genau das macht das Buch auch so interessant.
Schon zu Beginn des Buches konnte ich sehr schlecht einschätzen, wer zu "den Bösen" und wer zu "den Guten" gehören würde, so tauschten diese Rollen auch im Verlauf der Handlung hin und her, auch wenn eigentlich immer recht klar war, dass Sebastian - unser geheimnisvoller Verbrecher Bad Boy - eigentlich nur Gutes will und alle Anschuldigungen falsch sind. Wie immer eigentlich ;-)
Auf sehr geschickte Art und Weise ist Liebesgeschichte mit Fantasy Roman verbunden, so dass ich mich irgendwie an "Whisper" von Isabel Abedi erinnert gefühlt habe. Ein Geisterhaus, ein Bad Boy, ein verschlafenes Dorf, ein altes Geheimnis...


"Irgendwie geht man immer mit einem weinenden und einem lachenden Auge", murmelte Gwen und prägte sich ein letztes Mal die Bilder der Großstadt ein. Als sie die Autobahn erreichten, wich das Schwarz der Nacht langsam einem milchig-gelben Morgen."


Auch die Charakter haben mir gefallen. In dieser Geschichte hat die Autorin einen personalen Erzähler gewählt, der innerhalb von Szenen von einer Person zur nächsten wechselt, aber nicht allwissend ist. Eine - für ein Jugendbuch - eher ungewöhnliche Erzählperspektive, aber durchaus interessant.

Die Hauptcharakter sind im Wesentlichen Gwendolin, der geheimnisvolle Sebastian, ihr Schulfreund Harry, ihr kleiner Bruder Wilson und der immer wütende Archie, den ich mir dank des Namens irgendwie knuffig und dicklich vorgestellt hatte und dieses Bild leider nicht wieder aus meinem Kopf bekam.

Hauptperson ist ganz klar die achtzehnjährige Gwen, die darunter leidet, in ihrer neuen Schule nicht wirklich Anschluss zu finden und aufgrund ihres Wohnorts und den eher ungewöhnlichen Jobs ihrer Eltern ein Außenseiter ist. Sie ist auf ihren einzigen Freund Harry angewiesen, der aber noch andere Freunde hat, denen seine Loyalität in erster Linie gehört. Sie war mir gleich von Anfang an sympathisch mit ihrer eher zurückhaltenden Art, hat mich an manchen Stellen aber kurz etwas genervt, da sie doch sehr misstrauisch und leichtgläubig reagiert hat, als es zum Beispiel um Gerüchte über Sebastian ging. Dieser wird, wie sie selbst, von allen geächtet, da er eine Fußfessel trägt und ihm nachgesagt wird, seine Eltern umgebracht und sein Haus abgebrannt zu haben, weshalb er den "Feuerteufel" geschimpft wird. Obwohl sie selbst unter unwahren Gerüchten und Polarisierungen zu leiden hat, glaubt sie denen über Sebastian und lehnt seine Freundschaft vehement ab, als er sie ihr anbietet.

Mir gefällt die Art es sehr, auf die Mariella Heyd die Probleme von Jugendlichen schildert. Nicht übertrieben oder zwanghaft lehrreich, aber doch irgendwie ernstzunehmenden und mit einem kleinen Hauch an Zuversicht. Hier eines meiner Lieblingszitaten, das eine alte Dame Gwen mitgibt:


"Manchmal ist das Leben gar nicht so einfach. Aber auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen."


Harry ist ein sehr einfach gestrickter Charakter, der aber genau deshalb Zweifel weckt. Er ist scheinbar in Gwen verliebt, doch *Gottseidank* gibt es kein Liebesdreieck! Die Rolle des Geliebten bleibt Sebastian vorbehalten, der der klassische Bad Boy darstellt, aber einige Überraschungen bereithält.

Der kleine, leicht dickliche, computerspielende aber sensible Wilson hat mir sehr gut gefallen in seiner Rolle als kleiner Bruder. Ich habe selbst einen und der Umgang mit Gwen und ihre Beziehung fand ich sehr amüsant und wirklich süß. Die zwei zoffen sich zwar häufig und müssen öfter mal die Launen des anderen ertragen, doch tief im Herzen haben sie sich doch lieb und halten zusammen wenn es darauf ankommt.
(Kurze, versteckte Liebeserklärung an meinen kleinen Bruder 😘)

Insgesamt also nichts wirklich Überragendes, aber dennoch durchaus unterhaltsam und spannend in ihrer Kombination!

Das Setting ist wie gewohnt sehr gut gewählt - ein verschlafenes Dörfchen mit Geschichte, eine einsame Geistervilla, ein See, Friedhöfe - viel Material für atmosphärisch spannende Szenen! Und die nutzt die Autorin mit ihrem Stil auch voll aus. Mit verschneiten Wäldern, vereisten Seen und frostigen Frühlingstagen im kalten Örtchen Frost, ist das Buch aber eher ein Herbst oder Winterbuch, das sich bestimmt super am Kamin mit einer Tasse Tee lesen lassen würde.


"Die seltenen Momenten, in denen sich ihre Wege kreuzten, waren merkwürdig: Ständig herrschte dieses aufregenden Knistern zwischen ihnen. Dieses elektrische Kribbeln, wenn sich ihre Hände leicht berührten und das nervöse zittern ihrer Pupillen, wenn der Blickkontakt einen Moment zu dauerte."


Mariella Heyd schafft es, ohne lange umschweifende Beschreibungen eine gewissen Grundspannung zu erzeugen. Es gab einige wirklich spannende Stellen, bei denen es einem kalt den Rücken hinunterlief und man absolut nicht einschätzen konnte, was jetzt passieren würde, jedoch leider aber auch wenige andere, bei denen ich mir noch ein kleines bisschen mehr Gänsehaut- und Gruselfeeling gewünscht hätte und die durchaus auch viel Potential gehabt hätten. Trotzdem: wirklich sehr angenehm zu lesen – locker, leicht, bildhaft – alles was das Leserherz begehrt. Und ich kann mich nur nochmal wiederholen: Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern ist der Stil wirklich jugendlich und keine Pseudo-hirnverbrannte-Jugendsprache-Kacke (Entschuldigung für den Ausdruck ;-/), die zwanghaft versucht jugendlich zu klingen, wie ich es schon oft erlebt habe (zum Beispiel bei "Numbers" oder "tschick"...). Ohne mit gezwungen hippen Wörtern um sich zu schmeißen wirken Gwens oder Sebastians Gedanken locker und authentisch, wie man es von einer Jugendlichen erwarten würde. Dabei man darf auch des Öfteren über sie schmunzeln.
Wenn ich an die Atmosphäre denke, so kann man diese mit den Worten düster, magisch und romantisch ganz gut beschreiben. Sie passt sehr gut zu den jeweiligen Szenen der Geschichte und unterfüttern diese auf gelungene Art und Weise. So lässt es sich wunderbar abtauchen und man kann für einige Stunden die Zeit vergessen und sich gänzlich dem Lesespaß widmen, den man mit diesem Roman bekommt.


Fazit:
Spannung, Emotionen, eine gehörige Portion Witz, aber auch eine Menge Drama. Ein tolles Fantasy - Buch von einer tollen Autorin, die definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient.  Reinlesen lohnt sich auf jeden Fall!

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