Dienstag, 1. November 2016

Die Erleuchtete - Das Dunkel der Seele

 
 
Allgemeines:
 
Titel: Die Erleuchtete - Das Dunkel der Seele
Autor: Aimee Agresti
Verlag: Goldmann Verlag (20. Mai 2013)
Genre: Fantasy
ISBN: 978-3442477548
Seitenzahl: 576 Seiten
Preis: 7,99€ (Kindle-Edition)
13,95€ (Taschenbuch)
Weitere Bände: Die Erleuchtete - Der Ruf des Bösen;
Die Erleuchtete - Im Zeichen der Finsternis 




Inhalt:


"Sie locken dich mit Schönheit, Reichtum und Macht, doch der Preis ist hoch-
 Sie wollen deine Seele"

Ein altes Luxushotel, ein dunkler Pakt und eine fast unlösbare Aufgabe für die junge Haven Terry:

Sie weiß nicht, woher sie kommt oder wer ihre Eltern sind, denn sie wurde einst ohne Erinnerungen am Straßenrand gefunden. Doch nun führt Haven ein behütetes Teenager-Leben, bis sie ein Praktikum im besten Hotel Chicagos antritt. Sie kann es nicht fassen : Sie wird unglaublich gut bezahlt, ihre Chefin Aurelia ist die schönste und Ehrfurcht gebietendste Frau, die sie je getroffen hat - und der schöne Lucian, der sie von Anfang an fasziniert, scheint sich auch noch für sie zu interessieren. Sie genießt die luxuriöse Atmosphäre ebenso wie Lucians zunehmende Aufmerksamkeiten. Doch irgendwann fällt Haven auf, dass hinter der glamourösen und perfekten Fassade etwas Dunkles lauert. Hinter Aurelias schönem Äußeren verbirgt sich eine finstere Seele und verfolgt einen grausamen Plan. Doch zum Glück steckt auch in Haven mehr, als ihre Widersacherin ahnt. Und sie ist die Einzige, die es aufhalten kann...




Bewertung:

"Auf dem Weg zur L bemerkten wir eine atemberaubende Kreatur - einen jungen Mann mit den Zügen eines Models und einer Sportlerfigur -, die uns ein paar Blocks folgte, dann mit uns in den Zug stieg und sich auf dem Weg zum Hotel in unserer Nähe hielt. Wir redeten über nichts Wichtiges und übertrieben im Bezug auf Dante bei einigen Punkten lautstark - aber trotz unserer recht glaubhaften Vorstellung hatten wir panische Angst. Unser Verfolger gehörte dem Syndikat an, und er sollte uns offensichtlich daran erinnern, dass es wirklich kein Entkommen gab."
 Auf dem Cover befindet sich ein brünettes Mädchen in einem sehr hübschen, roten Kleid, welches in einem interessanten Bezug zur Geschichte steht, vor einem dunklen Hintergrund. Auf diesem Hintergrund, der an die Felswand der Tunnel, die im Buch eine Rolle spielen erinnert, sieht man die Schatten von Flügeln, was auf eine Entwicklung des Plots anspielt und sehr hübsch aussieht. Um den Titel herum schweben leuchtende Lichtschnörkel, welche alles ansprechend abrunden. Das Model blickt irgendwie unschuldig und ahnungslos, was perfekt passt. Genau so habe ich mir Haven vorgestellt, also will ich dieses eine Mal nicht über das Abbilden von Modelgesichtern auf Buchcover meckern.
"Die Erleuchtete" ist der Auftakt einer Trilogie mit sehr viel Potenzial, denn dieses erste Buch hat mir sehr gut gefallen. Zuerst klang der Klapptext eher bekannt und nicht außergewöhnlich, doch das Buch hat mich überrascht und begeistert, vor allem durch die vielen Kleinigkeiten, die es besonders machen und von anderen Büchern abheben. In allen Kategorien bekommt die Autorin von mir positive Kritik, und das trotz eines eher durchwachsenen Anfangs.
Relativ langsam und auch verwirrend startet man in das Leben von der jungen Haven Terry, welche als beste Schülerin des Jahrgangs ein Stipendium für eine Praktikumsstelle im besten und geheimnisvollsten Hotel Chicago bekommt. Ich habe eine Weile gebraucht um in das Buch hineinzukommen, da zuerst alles eher gewöhnlich und etwas langweilig wirkt. Als es aber dann mit dem Praktikum losgeht und die ersten Unstimmigkeiten auftreten, hat das Buch seine Spannung und Anziehungskraft entfesselt. Aufgeregt und gespannt stürzt sie sich zusammen, mit ihrem besten Freund Dante und Lance, einem Mitschüler in den Glamour und Verführung des Reichtums und der Schönheit. Doch schon bald muss sie bemerken, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht...
So nimmt die Geschichte langsam ihren Lauf. Zusammen mit den drei Hauptcharakteren kommt man der Wahrheit immer näher, hofft, bangt und ist mittendrin im Geschehen. So ziemlich alles in diesem Buch entwickelt sich innerhalb der knapp 600 Seiten, wodurch man das Gefühl hat, ein Teil von etwas immer gewaltigerem zu sein. Die Charaktere, die Spannung, die Idee, das Grauen, das Ausmaß, der Stil, einfach alles.
"Ich hatte das Gefühl, dass ich mein Leben von nun an in eine Zeit vor und nach Aurelia einteilen würde."
Diese Einschätzung von Haven stellt sich bald als durchaus richtig heraus, denn das Leben der Musterschülerin ändert sich in der kurzen Praktikumsspanne radikal. Sie deckt ein dunkles Geheimnis auf und muss erkennen, dass sie schon immer ein Teil davon gewesen war. Das was sich hinter der schönen Fassade des Hotels und seinen Bewohnern versteckt ist nichts anderes als das Dunkel der Unterwelt und während die Geheimnisse auf ungewöhnliche Weise aufgedeckt werden, wird das Buch schließlich vollends zu einem Fantasy Roman. 
Nur schleichend gelingt es Haven, der Versuchung und Anziehungskraft des Syndikats, den Angestellten des Hotels, zu entgehen. Es beginnt es mit kleinen Beobachtungen, geflüsterten Worten und einigen komischen Begebenheiten, die Haven Rätsel aufgeben und sie zum Nachdenken anregen. Bald kommen belauschte Gespräche dazu und ihre Verwirrung erlangt einen Höhepunkt. Haven und somit dem Leser wird zu keinem Zeitpunkt erklärt, was sie ist und was die anderen sind. Sie reimt es sich alles irgendwie selbst zusammen, spricht aber auch nicht jeden ihrer Gedanken darüber aus. Dadurch wird vor allem das unausgesprochene Wort und auch die vielen versteckten Botschaften hervorgehoben. Das ergibt eine Grundspannung, da man langsam an die Auflösung des Geheimnisses herangeführt, es aber nie komplett aufdeckt wird.
"Noch ahnst du nicht, in was du dich einst verwandeln wirst; du kannst zur Legende werden. Noch fühlst du dich schwach, aber bald wirst du trunken sein vor Einfluss und Macht, wirst staunen, welche Stärke und Kraft in dir stecken."


Wie jeder normale Mensch erliegt auch sie erstmal der Versuchung und kann fast nicht widerstehen. Nur ihre zwei Freunde und ihre Intelligenz helfen ihr dabei.
Fangen wir aber doch mal mit der Protagonistin Haven an. Sie fällt nicht aus dem Rahmen, wie ihre Vergangenheit oder auch das Stipendium vermuten lassen, ganz im Gegenteil, sie ist ein ziemlich normales Mädchen, das etwas schüchtern ist, aber ein großes Herz hat. Sie ist intelligent und sehr zielstrebig, das Parade-Beispiel einer guten Schülerin. Anfangs hätte ich sie vielleicht als "graue Maus" bezeichnet, aber in all dem Glamour lebt sie sich relativ schnell ein und entdeckt ganz andere Seiten an sich. Nach und nach wird sie selbstbewusster, aufmerksam und passt sich ihrer eleganten Umgebung perfekt an. Durch ihren messerscharfen Verstand, der Loyalität zu ihren Freunden und dem stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn wurde sie mir sehr schnell sympathisch.

Ihre beiden Freunde Dante und Lance fand ich ebenso interessant. Dante ist Havens ziemlich extrovertierter bester Freund, der eine Liebe zum Kochen hat und zudem homosexuell ist. Unfassbar, wie viel Energie in einem einzigen Menschen stecken kann, so hat er mich mit seinem Überschwall an Optimismus und Humor oft zum Lachen gebracht. Er entgeht aber dem Schicksal einfach den Stempel "Schwuler bester Freund" aufgedrückt zu bekommen und bringt innerhalb der Geschichte immer mehr Tiefe und Charakter zum Vorschein.
Lance hätte ich zu Beginn als einen langweiligen "Nerd" bezeichnet. Von seinem anfänglichen Auftreten darf man sich allerdings nicht täuschen lassen, denn auch er versteckt seinen wahren Charakter, so dass man etwas Geduld braucht, bis man ihn wirklich kennenlernt. In all dem Glanz und Gloria an Schönheiten wirkt er mit seiner Brille und dem eher durchschnittlichen Aussehen zwar langweilig, doch genau das legt mehr den Fokus auf innere Werte. Er ist Haven sehr ähnlich, ebenfalls sehr besonnen und nachdenklich und hochintelligent und rückt im Laufe des Plots immer mehr in den Vordergrund nachdem er zuerst ein eher zurückhaltender Randcharakter war.
Das Trio, das die meiste Zeit über eigentlich nur ein Duo ist, war für mich eine wirklich gelungene Mischung und verkörperte wirklich wahre Freundschaft.
"Dieses Mal sprachen wir kaum ein Wort, wurden aber von unserer ganz eigenen, gemütlichen Form von Stille umfangen. Ich fand, dass man eine Freundschaft ganz gut danach beurteilen konnte, wie angenehm das Schweigen mit diesem Menschen war. Denn in diesem Moment war man völlig man selbst."
Auch die Gegenspieler haben es in sich. Die atemberaubende Chefin Aurelia flößt nicht nur Haven mit ihrer sehr autoritären Ausstrahlung, die einen gleichzeitig hypnotisieren kann, ganz schön Respekt ein, sondern lässt auch den Leser erschaudern.
Der männliche Part Lucian entpuppt sich als alles andere als den typischen Stereotyp Mystic-Man. Natürlich wirkt er zuerst schillernd, geheimnisvoll  und schreckt durch seine keineswegs weiße Weste ab, doch er ist auch ein sehr vielschichtiger Charakter und überrascht den Leser ein ums andere Mal. Auch wenn er vielleicht in den meisten Augen als schlechter Mensch erscheinen mag, trägt er den Willen in sich, etwas Gutes zu tun, sich zu ändern und wirkt somit irgendwie verletzlich und süß. Ich muss schon zugeben, dass mir bei seinem unverschämt guten Aussehen, der umwerfenden Ausstrahlung und dem charmeversprühenden Lächeln zusammen mit Haven die Knie weich wurden.

Auch die übrigen Arbeiter, das "Syndikat", sind äußerlich ebenso perfekt wie ihre Vorgesetzten und ebenso einschüchternd, aber auch unheimlich unnahbar.
Das Tolle an den Charakteren ist, dass sie alle unheimlich real und authentisch wirken. Ihre Charakterzüge wirken nie aufgesetzt oder überzogen, sondern schlichtweg wie echte Personen.
 
Außerdem positiv hervorzuheben ist der Schreibstil. Er ist relativ einfach und direkt gehalten, dafür aber sehr detailreich, wodurch man einerseits schnell vorankommt, zum anderen aber jede Menge Eindrücke sammeln kann. In schnörkellosen aber eleganten Sätzen beschreibt die Autorin das Geschehen und hat auch in dem alten, wunderschönen und vor allem riesigen Hotel ein beeindruckendes Setting gefunden. Eigentlich spielt sich die komplette Handlung nur in diesem Gebäude ab, doch trotzdem gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken und zu bestaunen. Sehr detailreich und genau wird alles beschrieben, sodass man das Gebäude nach Vollendung des letzten Kapitels einfach aus dem Kopf heraus beschreiben könnte.
Ich finde, oft sind es vor allem die Kleinigkeiten, die ein Buch besonders gut machen. Aimee Agresti lässt dem Geschehen in ihrem Buch eine Menge Zeit sich zu entwickeln, so dass man sich als Leser erst mal ein genaues Bild von etwas machen kann, bevor man sich mit neuen Informationen konfrontiert sieht. natürlich muss man so etwas mögen, was man auch daran sieht, das viele andere Rezensenten einige Längen kritisieren. Zugegeben, dieser Stil sorgt dafür, dass ziemlich lange nichts furchtbar Aufregendes passiert, aber die Indizien, die man in dieser Zeit sammeln kann, reichen dazu aus, um sich einerseits mit den Umständen vertraut zu machen, andererseits kann man sich dadurch schon ein paar Theorien zusammenbasteln und rätseln, was mir persönlich sehr gut gefallen hat.  Ich könnte es aber auch verstehen, wenn jemand über diese ausladende Handlung die Geduld verliert. Daher sollte man sich viel Zeit und Ruhe mitbringen, wenn man "Die Erleuchtete" lesen will.
"Man weiß doch nie so genau", erklärte er [...], "was alles in den Menschen steckt. Oft verbergen sie viel mehr oder weniger, als es den Anschein hat." [...]
"Und was steckt in dir, Haven Terra?"
 Das Ende des Buches ist dann noch einmal atemberaubend, eindrucksvoll und hochgradig spannend. Besonders, da die Autorin nicht gerade zimperlich mit ihren Charakteren umgeht und sich auch nicht scheut, den ein oder anderen zu opfern. Man weiß zu keinem Zeitpunkt, wie es ausgehen wird und kann sich trotz des Wissens um einen zweiten und dritten Teil nicht auf der Gewissheit ausruhen, dass sowieso alle überleben müssen.
Obwohl ausnahmsweise kein gemeiner Cliffhanger das Buch schließt, konnte ich es kaum erwarten zum nächsten Teil zu greifen.
 


Fazit:
Gekonnt wird Mystery mit Thriller und einer luxuriösen Extravaganz gemischt, was insgesamt ein strahlender Unterwelt-Epos ergibt, welcher von den vielen Kleinigkeiten und dem Reiz liegt,  unerwarteten Dinge zu entdecken.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen