Sonntag, 26. Juni 2016

Das Schicksal ist ein mieser Verräter




Allgemeines:

Titel: Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Autor: John Green
Verlag: Carl Hanser (2012)
Genre: Jugendroman
ISBN: 978-3446240094
Originaltitel: The Fault in Our Stars
Seitenzahl: 288 Seiten
Preis: 16,90 € (gebundene Ausgabe)
9,95€ (Taschenbuch)



Inhalt:

„Manchmal war das Schlimmste an Krebs:
Die Sichtbarkeit der Krankheit, die einen von den anderen absonderte. Wir waren unüberbrückbar anders."

Krebsbücher sind doof“, sagt die 16-jährige Hazel Grace Lancaster, die selbst Krebs hat. Ihre Behandlung soll nur noch ihr Leben verlängern, geheilt werden, kann sie nicht mehr. Das weiß sie, genauso wie sie weiß, dass es ein Wunder ist, dass sie überhaupt noch lebt. Sie will auf gar keinen Fall bemitleidet werden und kann mit Selbsthilfegruppen nichts anfangen, in die sie ihre Mutter schickt. Bis sie in einer Gruppe im "buchstäblichen Herzen Jesus" auf den intelligenten, gut aussehenden und umwerfend schlagfertigen Augustus Waters trifft. Gus geht offensiv mit seiner Krankheit um, trotz dass die Krankheit ein Bein von ihm gefordert hatte. Hazel und Gus diskutieren Bücher, hören Musik, sehen Filme und verlieben sich ineinander - trotz ihrer Handicaps und Unerfahrenheit. Gus macht Hazels großen Traum wahr: Gemeinsam fliegen sie nach Amsterdam, um dort Peter Van Houten zu treffen, den Autor von Hazels absolutem Lieblingsbuch "Ein Herrschaftliches Leiden" doch ihre Krankheit hat sie im Griff...

Bewertung:

Das ist jetzt mein vierter Versuch, meine Meinung zu diesem Buch zu schreiben. Erstaunlich, wie schwer es mir fällt, das, was ich während des Lesens empfunden habe, einfach niederzuschreiben. Ich habe mich also dazu entschlossen, einfach ein paar der passendsten Zitate zu nehmen um zu verdeutlichen, was ich meine.

John Green meint in Interviews immer, er wollte kein typisches Krebs-Buch schreiben, kein "Hoffnung, Glaube, Stärke, alles hat auch eine positive Seite-Schrott" sondern ein echtes, ein wahres Buch über echte Teenager, echte Eltern, echte Sorgen und Nöte. Greens Hauptcharaktere sind keine Helden, es sind normale Menschen, die versuchen, mit einem vermutlichen Todesurteil umzugehen. 
Es ist kein Buch, was man mal eben so weg liest, vom Inhalt, den Charakteren und auch der Sprache nicht.


"Ich hatte Angst zu fragen, ob es einen Grund gab, Angst zu haben!"


Der Schreibstil ist wunderschön, aber auch etwas anspruchsvoller als sonst in andern Jugendbüchern. Die Formulierungen treffen oft in wenigen Sätzen alles auf den Punkt und es wird nicht seitenlang "rumgejammert". Dieses Buch hat mich bereits auf den ersten Seiten ergriffen und mitgenommen und auch nach dem Lesen nicht mehr so schnell losgelassen.


"Man kann sich nicht aussuchen, ob man verletzt wird auf dieser Welt, [...], aber man kann ein bisschen mitbestimmen, vom wem."


Das Cover ist wunderschön und versetzt einen schon gleich beim Ansehen in eine nachdenkliche Stimmung. Die abgebildeten Sterne passen aber besser zum englischen Originaltitel "The fault in our Stars".

Hazel ist eine unglaublich starke Hauptperson und die Welt aus der Ich-Perspektive durch ihre Augen zu sehen verändert die eigene Ansicht auf manche Dinge ungemein. Man kann gar nicht anders, als die schlagfertige Hauptprotagonistin von der ersten Seite an ins Herz zu schließen. Wie sie in allen Situationen etwas selbst ironisches denkt wenn das Leben ihr mal wieder ins Gesicht spuckt anstatt in Depressionen zu versinken ist sehr realistisch dargestellt und wunderbar zum lesen. Wie sie für alles einen passenden Spruch oder Gedanken auf Lager hat, lässt einen dann trotz allem immer wieder schmunzeln.


"Sie ist lustig, ohne je gemein zu sein. Ich liebe sie. Ich habe so ein Glück, sie zu lieben!"


Und ihre Liebe zu Büchern -besser gesagt zu einem einzigen Buch- hat mich ebenso fasziniert. Wie sie "Ein herrschaftliches Leiden" lobt und auch Gus dafür begeistert ist einfach super. Ich erkenne mich in solchen Momenten immer mehr in ihr wieder. Ich finde sie beschreibt dieses Gefühl, das man hat, wenn man ein unglaubliches Buch zu Ende gelesen hat sehr gut!


"Manchmal liest man ein Buch, und es erfüllt einen mit diesem seltsamen Missionstrieb, und du bist überzeugt, dass die kaputte Welt nur geheilt werden kann, wenn alle Menschen dieser Erde dieses eine Buch gelesen haben."


Gus ist genauso super! Wie Hazel ihn beschreibt, ist berührend und man verliebt sich als Leserin gleich mit ihr mit. Diese ganz bestimmte Vertrautheit, die sich gleich zwischen den beiden aufbaut ist etwas ganz besonderes und gibt dem ganzen Buch eine bittersüße Note.


"Während er las, verliebte ich mich in ihn, so wie man in den Schlaf gleitet: langsam zuerst und dann rettungslos."


Wen ich auch noch wirklich super fand war der an Augenkrebs leidende Freund von Gus Isaac. Wie er den beiden beisteht obwohl auch er es alles andere als leicht hat, ist beeindruckend. Er findet immer die richtigen Worte, verpackt in ordentlich viel Witz und Coolness.


 "Manchmal wissen die Leute nicht, was sie versprechen, wenn sie es versprechen", sagte ich. Isaac sah mich an. "Ja, klar. Aber man muss seine Versprechen trotzdem halten. Genau das ist doch Liebe. Liebe ist, das Versprechen trotzdem zu halten.


Die Eltern von Hazel und auch die von Gus -obwohl man die nicht so gut kennenlernt- haben von Anfang an mein persönliches Mitgefühl und vor allem ihre Mutter ist mir ans Herz gewachsen. Denn wie auch Hazel erkannt hat, kann ich mir gar nicht vorstellen, wie es sein muss zu erleben wie sein Kind langsam stirbt und man rein gar nichts dagegen tun kann außer das Schicksal um etwas mehr Zeit anzuflehen.


"Ich wollte meine Eltern glücklich machen. Denn es gibt nur eins auf der Welt, das ätzender ist, als mit sechzehn an Krebs zu sterben, und das ist, ein Kind zu haben, das an Krebs stirbt."


Aber auch die Nebenfiguren sind super ausgearbeitet, Peter Van Houten, seine Sekretärin oder einfach alle unwichtigen Personen, die die beiden nur kurz treffen. In diesem buch hat man einfach das Gefühl, alles wäre echt. Diese tollen kleinen Ideen, wie zum Beispiel das Verkaufen der alten Schaukel in Hazels Garten, die einsam ist und sich "nach kleinen Kinderpopos sehnt" oder die Szene mit den Eiern die zum Rachemittel werden. Wer das Buch gelesen hat, weiß, was ich meine und wer nicht, sollte es sowieso unbedingt lesen!


"Einsame, tendenziell pädophile Schaukel sehnt sich nach Kinderpopos!"

Gleichzeitig gibt es Passagen in diesem Buch, die einen auch noch nach dem Lesen der letzten Seite beschäftigen werden, Konversationen bei denen man unweigerlich lachen muss, es gibt Sätze, die vielleicht für immer bei einem bleiben -wie zum Beispiel das mit den verschiedengroßen Unendlichkeiten- und es gibt Abschnitte, bei denen man schlicht Rotz und Wasser heult. Es werden nicht nur die schönen Seiten beschrieben sondern vor allem das Furchtbare daran Krebs zu haben, was es mit einem macht und wie man und auch andere sich dabei fühlen. Ungeschönt und ungeschont werden Situationen beschrieben, die einem direkt ins Herz gehen. Was mich also wirklich berührt hat an diesem Buch ist seine Ehrlichkeit!
"Cancer sucks"
Es gibt keine positive Seite am Kotzen oder am ins Bett machen, nichts Gutes daran, das Augenlicht zu verlieren, das Gefühl zu haben, zu ertrinken, seine eigene Beerdigung zu planen oder einen Menschen sterben zu sehen. Und das soll auch gar nicht vermittelt werden.
Denn obwohl das Buch so ein trauriges Thema hat, so tragisch ist, ist es gleichzeitig wunderschön, lustig, kraftvoll und vor allem eines: lebensbejahend!!! Das ist das, was mich wohl am meisten beeindruckt hat an dieser fiktiven Geschichte. Das diese zwei Menschen nicht einfach versinken und so vor sich hinvegetieren sondern kämpfen mit allen Mitteln die sie haben.  Natürlich ist dieser Kampf aussichtslos doch den beiden und auch allen, die ihnen nahe stehen dabei zuzusehen, wie sie es versuchen ist sehr schön!!!


"Das Leben ist schön, Hazel Grace."


Hazel und Augustus sind Teenager, deren Geschichte einen lange nicht mehr los lässt und die dazu führt, dass man selbst anfängt, nachzudenken - über das eigene Leben, die eigenen Narben, die man auf der Welt hinterlässt, ob es überhaupt wichtig ist, etwas zu hinterlassen und wenn ja, was...
Das Ende ist dann erwartet dramatisch und berührend. Gemeinerweise kommt dann nämlich doch alles anders, als man am Anfang noch gedacht hat und ich muss zugeben, dass auch bei mir einige Tränchen geflossen sind. Bevor ich jetzt dann gleich fertig bin, will ich mich noch ganz kurz positiv zu der Verfilmung äußern. Es war wirklich eine Mammutaufgabe, dieses Buch akzeptabel zu verfilmen und ich bin mit dem Ergebnis wirklich sehr zufrieden also Hut ab!


"Aber, Gus, meine große Liebe, ich kann dir nicht sagen, wie unendlich dankbar ich für unsere kleine Unendlichkeit bin. Ich würde sie um nichts in der Welt hergeben. Du hast mir mit deinen gezählten Tagen eine Ewigkeit geschenkt, und dafür bin ich dankbar."

Fazit:

"Das Schicksal ist ein mieser Verräter" behandelt die schönsten und schwierigsten Abschnitte im Leben: Liebe, Freundschaft, Verlust und Tod und es macht das auf einer wunderbare Art und Weise.
Diese Seiten haben es in sich! Das Schicksal mag uns manchmal enttäuschen und sich als ein mieser Verräter entpuppen, der Jugendbuchautor John Green tut es hingegen nicht. Mit seinem Liebesdrama um Hazel und Augustus entführt er den Leser in eine unvergessliche Achterbahnfahrt der Emotionen, die gleichzeitig zu berühren und überraschen vermag - intelligent, tiefgründig und ironisch erzählt.




Hier noch der Filmtrailer:



Und noch einige andere Zitate:

"Mir gefällt diese Welt. Mir gefällt, wie die Schatten der Blätter umeinander tanzen, wenn der Wind weht. Mir gefällt, wie es klingt wenn Holländer holländisch mit mir reden, bevor sie merken, dass ich Tourist bin. Und du gefällst mir. Und jetzt... ich bekomme nicht mal mehr einen richtigen Kampf. Ich darf nicht mal kämpfen.“ 

„Du argumentierst, dass das Zerbrechliche, nur selten und schön ist, weil es zerbrechlich und selten ist. Aber das ist eine Lüge und das weißt du auch.“  

"Ich kämpfe. Ich kämpfe für dich! Du musst dir keine Sorgen machen, Hazel Grace. ich finde einen Weg, dass ich noch lange hier rumhängen und dir auf die Nerven gehen kann!"

„Aber ich machte mir trotzdem Sorgen. Ich war gerne ein Mensch. Ich wollte es noch eine Weile bleiben. Sorgen sind eben eine Nebenwirkung des Sterbens.“   


„Mit ihm zusammen zu sein hieß, ihm wehzutun - unvermeidlich.“ 


„Ich lag am Strand und Wellen von Schmerz brachen über mich herein aber ich konnte nicht ertrinken.“ 


Weil du schön bist. Ich sehe gerne schöne Menschen an, und vor einer Weile habe ich beschlossen, dass ich mir die einfachen Freuden des Lebens nicht mehr verkneifen werde.“


„Jedenfalls sind die wahren Helden nicht die Leute, die Sachen tun, die wahren Helden sind die, die Dinge bemerken, die aufmerksam sind.“ 

„Ich habe Angst vor dem Vergessen“, antwortete er ohne zu zögern. „Ich fürchte das Vergessen wie der sprichwörtliche Blinde, der die Dunkelheit fürchtet.“ 


„Ich sitze in einer Achterbahn in der es immer nur aufwärts geht.“


„Manche Ewigkeit dauert länger als andere Ewigkeiten.
"Du bist so vertieft darin, du zu sein, dass du keine Ahnung hast, wie absolut nie dagewesen du bist, ich liebe dich und es gehört nicht zu meiner Geschäftspolitik, mir einfach Freuden wie das aussprechen von Wahrheiten zu versagen. Ich liebe dich, und ich weiß, dass Liebe nichts mehr als ein Ruf in der Wüste ist und dass das Vergessen unvermeidbar ist und dass wir alle verdammt sind..."

"Die Sache mit dem Schmerz ist, dass er verlangt, gespürt zu werden."


"Es gibt beinahe sieben Milliarden lebende Menschen und ungefähr dreiundneunzig Milliarden Tote."


Selig sind die Unwissenden“, sagte ich."


  "Ich wollte zurück in den geheimen überirdischen dritten Raum, in dem wir waren, wenn wir telefonierten, an den Ort, der weder bei ihm noch bei mir war, sondern ein unsichtbarer Ort. "

"Das ist es, was ich glaube. ich glaube, dass das Universum bemerkt werden will. ich glaube, das Universum ist unwahrscheinlich parteiisch, was das Bewusstsein angeht. Ich glaube, dass es Intelligenz belohnt, weil es ihm schmeichelt, wenn seine Eleganz erkannt wird. Und wer bin ich, der mitten in der Geschichte lebt, dem Universum zu sagen, dass es - oder meine Wahrnehmung von ihm- vergänglich ist?"

“Wenn du den Regenbogen sehen willst, musst du den Regen aushalten.”
  

(Zitatrechte Hanser Verlag)

Kommentare:

  1. Richtig gute Rezension ihr habt die Kernaussage auf den Punkt gebracht! Ich freue mich schon weitere Rezensionen von euch zu hören! Bin ein großer Fan von eurer Seite❤ weiter so!

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  2. Vielen Dank, schön das zu hören!
    <3

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