Samstag, 23. September 2017

Exoplanet - Mission Kepler-438b


 
Allgemeines:
 
Titel: Exoplanet - Mission Kepler-438b
Autor: Armin Weber
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (5. Mai 2016)
Genre: Science-Fiction
ISBN-10: 1530964822
ISBN-13: 978-1530964826
ASIN: B01D8M5KEC
Seitenzahl: 311 Seiten
Preis: 9,99€ (Taschenbuch)
0,99€ (Kindle-Edition)
Weitere Bände: Exoplanet - Lichtsturm
 
 
 
Inhalt:
 
Im Jahr 2105 regiert auf der Erde eine Computer-Diktatur, die weltweit unter dem Namen Nummer 2 bekannt ist. Mit 100 Millionen Kampfrobotern herrscht sie über die letzten Reste der Menschheit, die auf der Erde nur noch für kurze Zeit geduldet sind. Nummer 2 legt daher ein Programm auf, das die baldige Entvölkerung der Erde zum Ziel hat.
    Unter anderem wird deshalb auf dem Saturnmond Titan die erste Teleportation eines Menschen vorbereitet. Ziel der Mission: Ein erdähnlicher Exoplanet mit der Bezeichnung Kepler 438-b. Wenn alles nach Plan läuft, soll dort bald eine menschliche Kolonie gegründet werden.
    Auf Titans Forschungsstation Apache One arbeitet der Informatiker John Satcher zusammen mit dem US-Marine William Leery verdeckt gegen Nummer 2. Sie tritt dort auf in Form von Robotern und bedeutet für die Männer eine ständige Gefahr. Sie entscheidet auch, wer nach Kepler 438-b teleportiert werden soll.
    Unter dem Befehl von Nummer 2 wird ein Mann aus der fünfköpfigen Crew zur Teleportation gezwungen. Doch diese verläuft ganz anders als erwartet. Was die Männer dabei erleben, gerät zur größten Gefahr – aber auch zur erhebendsten Erfahrung ihres Lebens ...
 
 
 
Bewertung:
 
DISCLAIMER: Vielen Dank an den Autor Armin Weber für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplars!
 
Schon vorweg: das ist wohl einer der außergewöhnlichsten Science-Fiction Romanen, die ich je gelesen habe. Armin Weber trumpft hier mit einer Story Darstellung auf, die ich in solchem Format noch nie gelesen habe. Auch wenn ich bei einigen Stellen ein wenig skeptisch bin hat mich dieser Roman vor allem in einem Punkt überzeugt: Innovation. In diesem Roman geht es um Künstliche Intelligenz, Teleportation und Genforschung - spannend verpackt und auf dem aktuellen Stand der Forschung zu den einzelnen Themen.
 
 
"Die Teleportation ist misslungen. Ziel war ja, einen Menschen von A nach B zu bringen, der perfekt angepasst auf dem Planeten überleben soll. Doch offenbar haben wir gerade wegen der Anpassungen ein neues Wesen erschaffen. Denn das ist er: ein neues Wesen."


 
Das Cover finde ich persönlich nicht zu hundert Prozent passend. Zwar ist die orange gehaltene außerirdische Landschaft mit dem Methansee und den eisigen Bergen sehr passend auf den rauen Saturnmond Titan zugeschnitten und lässt auch wunderbar ein erdfernes Science-Fiction-Feeling auskommen, da die Handlung aber vollständig innerhalb der abgeriegelten Forschungsstation Apache One stattfindet und der Titan relativ wenig Einfluss auf den Plot hat, hätte ich mir eher ein etwas anderes Titelbild erhofft. Vielleicht ein Labor, die Hightech-Roboter, die eine große Rolle spielen oder eine Andeutung auf das geheimnisvolle Wesen, das bald den Mittelpunkt der Geschichte einnimmt. Nichtsdestotrotz - die distanziert schöne Landschaft in braun und orange Tönen lässt das Cover sehr räumlich und greifbar wirken. Der Titel, Untertitel sowie Autorenname und Genrebezeichnung fügen sich stimmig in das Gesamtbild mit ein. Was mir aber wirklich nicht gefällt ist der Klapptext. Zu aller erst finde ich ihn viel zu lang mit seinen vielen Wiederholungen und Absätzen. Ich hätte mir da lieber eine kurze, prägnante Erklärung der aktuellen Situation gewünscht - die Zusammenhänge mit Nummer 2, der Teleportation und dem Kepler-438b-Projekt müssen für mich im Klapptext keine so hervorstechende Rolle einnehmen. Vielmehr hätte ich einen Akzent auf den "Fehler" bei der Teleportation gesetzt und ein wenig angedeutet, was passiert - denn um die Auswirkungen dieses Fehlers geht es die vollständigen 311 Seiten.
 
 
Erster Satz: "Bence Király wagte nicht zu atmen."
 
 
Das Buch beginnt höchst spannend mit der Jagd des alten Kantinenkochs Bence durch die Gänge von Apache One. Er flieht vor einem Haufen Libellen (eine Art Roboterdrohne) und Kampfrobotern, die ihn fangen und zur Teleportation zwingen wollen. Sofort wird eindrücklich klar gemacht, dass die Roboter in der dargestellten Welt am längeren Hebel sitzen. Die Maschinen sind stark, schnell und willenlos - gesteuert von einer allübergreifenden künstlichen Intelligenz, die sich "Nummer 2" nennt und über die Menschen herrscht. Das finde ich eine sehr gute Idee - eine Diktatur des Netzes bei der sich vom Menschen entwickelte Technik gegen seinen Schöpfer wendet. Etwas, das in naher Zukunft durchaus passieren könnte - vom überall vernetzten Internet, das für uns Dinge in allen Bereichen des Lebens regelt, ist es kein allzu weiter Schritt mehr zu einer sich selbstbewussten, eigenständigen Intelligenz. Denn unser menschliches Bewusstsein entsteht ja auch nur durch die komplexen Verschaltungen von einzelnen Nachrichten- und Impulsquellen. Was entstehen kann, wenn statt Nervenzellen Prozessoren verschaltet werden, kann man in dieser Dystopie sehr schön sehen. Und es macht mir Angst...
 
Apache One ist ein Forschungsprojekt, bei dem die Menschen keine große Rolle spielen und nur notwendige Putzarbeiten erfüllen und mit ihrer Anwesenheit den Anschein von menschlicher Beteiligung am Fortschritt erwecken sollen. Dass die Maschinen, die zum Teil eigene Charakter zu besitzen scheinen, sie unterdrücken und herumkommandieren, löst immer mehr Unmut aus. Mangelnde Freiheit und Selbstwertgefühl treiben das menschliche Team schließlich dazu, sich gegen Nummer 2 aufzulehnen. Doch die Roboter haben die Menschen längst von der Krone der Schöpfung verdrängt und so ist jeder Umbruchversuch zum Scheitern verurteilt. Das Blatt scheint sich erst zu wenden, als bei einem Teleportationsversuch eines Menschen nach Kepler-438b ungeahnte Nebenwirkungen auftreten: aus dem geschaffenen Teilchensturm tritt eine rätselhafte Kreatur in Apache One, die weder Mensch noch Maschine und beiden überlegen ist. Fragt sich nur: auf welcher Seite steht sie?
 
 
"War Mada nun ein Monster, weil dessen Bruder auf Kelper-438b sich fortlaufend verwandelte, um dort zu überleben? Falls ja, würde es keinen Unterschied machen, wer oder was hier Mensch oder Maschine war. Dann würde Mada alle vernichten, denn dann wäre er schon auf dem Weg zum Raubtier..." 
 
 
Diese Entwicklungen stellen sich schon sehr bald ein, sodass sich der Hauptteil des Buches um die Erforschung des fremden Wesens dreht, das sie Mada nennen (Adam rückwärtsgesprochen um auf die Schöpfung Gottes anzuspielen - coole Idee, nicht?). Alles, was sich um ihn dreht fand ich unglaublich spannend und konnte gar nicht schnell genug mehr über den Mutanten erfahren. Als sich schließlich nach zahlreichen grausamen Experimenten an Mada seine wahre Stärke zu zeigen beginnt, sieht die menschliche Crew ihre Chance, endlich gegen Nummer 2 aufzutrumpfen...
 
In rasantem Tempo und garniert mit vielen spannenden Wendungen, mitreißender Action und nachdenklich machender Überlegungen, nimmt die ungewöhnliche Story ihren Lauf und konnte mich immer mehr in ihren Bann ziehen. Der einfache, kurzgehaltene Schreibstil unterstützt die schnellen Entwicklungen und Sprünge von einer Situation zur nächsten und lässt die beklemmende Situation bildlich vor dem Auge des Lesers entstehen. Nicht relevant für meinen Lesefluss waren die vereinzelten Rechtschreibfehler, die ich gefunden habe. Dass manchmal recht derbe Sprechweisen benutzt werden lässt sich auf die Charaktere zurückführen und hat mich ebenfalls nicht wirklich gestört.
 
 
"Kaum ließ William den Blick von Bence, löste sich aus dem übernächsten Gang eine Gestalt, die keuchend auf sie zu rannte: Terry Bones! Er flüchtete zwischen die Roboter, stützte die Hände auf den Knien ab, atmete durch, richtete sich wieder auf und sah sich ängstlich um. Sein Gesicht trug alle Anzeichen der Panik. "Was ist los?", fragte William. "Die Hölle", antwortete Terry."
 
 
Ja, jetzt kommen wir zu einem Punkt, der mich zum Teil ein wenig gestört hat: die Darstellung der Protagonisten. Dafür dass die restliche Geschichte so gut ausgearbeitet ist, sind mir jene viel zu blass und oberflächlich geblieben. Die menschliche Crew lässt sich zum Teil nur schwer auseinanderhalten und hat teilweise fast weniger Profil als der ein oder andere Roboter. Natürlich werden die Charaktere charakterisiert, mir sind aber Emotionen und allgemeine Informationen zu Charaktereigenschaften ein wenig zu kurz gekommen. Im Klapptext wird der Informatiker John Satcher als Hauptprotagonist dargestellt, wovon ich aber bis zum Ende nicht sonderlich viel gespürt habe. Die Perspektiven wechseln sich ab und so wird über jeden Charakter mal in der personalen Erzählperspektive gesprochen.
 
Neben John ist noch William Leery Teil des Teams, der hauptsächlich durch seine Ausbildung als Marine und die Haltung von Goldhamstern charakterisiert wird. Ebenso wie Bence Király, einem in die Jahre gekommenen Kantinekoch und Lukas, der einsam und verbittert ist, nachdem seine Frau Susan während der Mission vergewaltigt und ermordet wurde, steht er der neuen Bedrohung sehr aufgeschlossen gegenüber, während der zwielichtige Halbindianer Terry Bones es sie liebsten tot sehen würde. Ich fand keinen von ihnen so wirklich sympathisch, Terry Bones sogar richtig abstoßend. Dadurch dass ich keine wirkliche Verbindung zu den Protagonisten aufbauen konnte, wirkten sie alle und die Handlung ein wenig distanzierter als nötig gewesen wäre. Der einzige, der es wirklich herausgehauen hat, war Mada, zu dem ich jetzt leider nicht viel sagen kann, da ich eigentlich schon viel zu viel verraten habe ;-)
 
 
"Wenn eintritt, was ich befürchte", sagte John ebenfalls sehr langsam, "dann beginnt unser Alptraum erst."
 
 
Gut gefallen hat mir auch, dass über die Frage nachgedacht wird, ob Roboter eine Persönlichkeit haben können, die von ihrer Programmierung abweicht. Da auch ab und an aus ihrer Perspektive berichtet wird und sie durchaus auch Charaktereigenschaften zugewiesen bekommen, würde ich deuten, dass die Geschichte diese Frage eindeutig bejaht. Hasso zum Beispiel, der schrankartige Roboter mit dem Hundekopf und der Schweineschnauze, der so anders als die anderen zu sein scheint, der ruppige Huntsman, der mit Cowboyhut und Colt herumläuft,... sie alle haben etwas das über eine Maschine hinausgeht.
 
Das Ende glich dann eher weniger dem finalen Showdown, den ich mir vorgestellt hatte, sondern wuchs sich zu einem eher ruhigen Machtkampf aus. Das hat mir sehr gut gefallen, ein wenig unglaubwürdig fand ich nur den Ausgang des Kampfes. !!!Kurze Spoiler Warnung: Nummer 2 wurde die ganze Zeit über so allmächtig und weise Dargestellt, dass es doch recht unrealistisch wirkt, dass Mada sie einfach mühelos hinters Licht führen und einfach abschalten kann. Spoiler Ende!!!
Wie das Problem dann aber seine Lösung findet und am Ende alles gut ausgeht, hat mir dann wiederum in der Gestaltung sehr gut gefallen, sodass ich sehr gerne den zweiten Teil lesen würde. Vielleicht wird den Charakteren ja dort etwas mehr Luft gelassen... 
 
 Schön fand ich aber vor allem, dass die Menschen, trotz dass sie weniger intelligent, schnell und stark wie die Maschinen sind, schlussendlich doch als etwas Besonderes hervorgehoben werden und dann auch gewinnen.
 
"Maschinen sind Werkzeuge; auch Computer, und seien sie noch so intelligent. Sie sind Mittel, nicht Zwecke. Der Zweck auf der Erde kann nur der Mensch sein, sowie Tier und Pflanze. Aber kein Computer, kein Roboter oder sonst ein Werkzeug aus dem Kosmos der Mittel, die der Mensch für seine Zwecke einsetzte, um sein Leben, schöner, besser und sicherer zu machen."
 
 
Fazit:
 
Ein außergewöhnlicher Science-Fiction-Roman, der uns Leser in eine beängstigende Zukunft entführt und mit vielen gut durchdachten Entwicklungen überrascht. Zwar mit einigen Schwächen in der Darstellung der Charaktere, aber dennoch lesenswerte Unterhaltung!!!
 
 

Kommentare:

  1. Hallo,

    solch innovativen Science-Fiction-Romane sind ja genau mein Ding, so dass ich den Roman mal im Auge behalten werde! Danke für die Vorstellung!

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  2. Hey Daniela,

    ja, da hast du recht, dieser Roman ist wirklich ein Geheimtipp, den es sich zu merken lohnt! Vielen Dank fürs Vorbeischauen und Kommentieren!

    Liebe Grüße und einen schönen Start in die neue Woche
    Sophia

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    1. Hallo Sophia,
      ich hab deinen Beitrag bei meiner Blogwanderung verlinkt.
      Gruß,
      Daniela

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  3. Vielen Dank dafür! Hat mich sehr gefreut!
    ;-)

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