Montag, 3. Oktober 2016

Sonnenschwinge - Die Nacht der Elemente

 
 
 
Allgemeines:
 
Titel: Sonnenschwinge - Die Nacht der Elemente
Autor: Lia Haycraft
Genre: Fantasy
ISBN-13: 978-9963534388
Preis: 2,99€ (Kindle-Edition)
12,99€ (Broschiert)
"Sonnentochter - Die Nacht der Elemente"  (?)
 
 
 
Inhalt:
 
"Er drehte sich zu ihr und küsste sei auf den Kopf. "Ich wünschte, wir hätten uns woanders kennengelernt." Seine Worte waren leise.
"Das wünsche ich auch."
 
Gerade stand Ruben noch in der Tate Gallery in London, jetzt befindet er sich plötzlich in Axikon, der Welt der unendlichen Nacht. Neugierig lässt er sich auf diesen magischen Ort ein und begegnet der hübschen und geheimnisvollen Sotai, die aussieht wie ein Mensch, sich jedoch in den Wind verwandeln kann. Vom ersten Moment an ist Ruben von ihr fasziniert, obwohl auf der Erde seine Verlobte wartet. Ruben will sich auf das Abenteuer einlassen, doch kein Mensch darf in dieser Welt bleiben und so will Sotai ihn unentdeckt zur Erde zurückzubringen. Jedoch müssen beide bald feststellen, dass ihr Vorhaben weitaus gefährlicher ist, als es anfangs scheint ...
 Bewertung:
 
 
 "Die Monde Enxía und Serniwe spiegelten sich in dem schmalen Bachlauf zwischen Abertausenden von Sternfischen, die aufleuchteten, wenn sie vorbeischwammen."
 
Das ist der erste Satz des vorletzten Bandes der "Die Nacht der Elemente" - Reihe von Lia Haycraft. Nach  "Mondtochter" und dem zweiten Teil, "Mondschwinge" handelt dieses Buch auch wieder von anderen Charakteren, welche aber mit Sotai teilweise bekannt waren. Ich muss gleich zu Beginn sagen, dass mir diese Reihe immer besser gefällt und ich diesen vorletzten Teil wohl bis jetzt  am besten finde! Ich war eigentlich immer von einer Trilogie ausgegangen und bin nun freudig überrascht, dass es anscheinend noch einen weiteren Teil geben soll, der "Sonnentochter" heißt.
 
Das Cover ist mal wieder sehr hübsch geworden. Wieder ist ein Mädchen zu sehen, welches meinen Vorstellungen zu Sotai recht nahe kommt, mich aber trotzdem etwas verärgert hat, da ich Models auf Cover recht ablehnend gegenüberstehe, was ihr bestimmt so langsam wisst. Dieses Mal ganz in goldenen und schwarzen Tönen mit einigen roten und blauen Akzenten. Die Farben sind sehr passend gewählt, auch da Ruben zu Beginn einen Orakelkäfer mit diesen Farben erhält. Das Blau steht für Wind, Sotais Element, das das zusehende Mädchen schwungvoll umspielt. Das Rot im schön geschwungenen Titel steht für die Liebe und das Gold für die Sonnenschwinge. Was es damit auf sich hat? Lasst euch überraschen!
 
 
19 Jahre sind seid dem letzten Band vergangen, viel hat sich nicht verändert. Eigentlich will Sotai in Zukunft besser auf ihr Herz aufpassen und es nicht so leichtfertig verschenken wie bisher. Doch der gutaussehenden Ruben bringt ihre Pläne zum wanken. So viel verbindet die beiden, aber eine Liebe scheint unmöglich, gehören sie doch in verschiedene Welten. Er kann nicht in Axikon bleiben, denn es ist Menschen verboten und würden es die Ältesten mitbekommen, würden sie ihn auf die Erde schicken, aber seine Erinnerungen an ihre Welt einbehalten. Um das nicht zu riskieren, muss Sotai ihn unbemerkt zur Erde zurückbringen. Beide haben Angst vor dem unausweichlichen Abschied, denn auf der Erde lauert das gefährliche Sonnenlicht, welches Sotais Haut verbrennen würde. Noch während sie überlegt, wie viel sie bereit ist für Ruben aufzugeben, wird einer der Wächter Axikons, die Sonnenschwinge Miro, schwer verletzt und verliert seine Bestimmung. Während die beiden versuchen, Miro, welcher alles vergessen hat, ein neuen Leben auf der Erde zu ermöglichen, bemerkt Sotai, dass ihr Schicksal doch enger mit Rubens verbunden ist, als sie gedacht hat...
 
 
"Sie würde nicht altern, Ruben schon. Sie konnte nicht bei Tag raus, Ruben schlief vermutlich überwiegend in der Nacht, wenn sie wach war. Es war fast wie in diesen kitschigen Vampirliebesgeschichten, wovon Kani ein paar besaß. Am Ende biss der eine den anderen und beide blieben glückliche Vampire. (...)
Aber dies war kein Roman, sondern das wahre Leben."
 
 
Die Geschichte um Sotai und Ruben ist aber nur einer der Handlungsstränge in diesem Buch. Neben den beiden geht es, etwas im Hintergrund, auch noch um Mahin, das über fünfhundert Menschenjahre alte Ratsmitglied, welche wir schon aus "Mondschwinge" kennen. Sie trauert um den Erinnerungsverlust von Miro, in den sie heimlich verliebt war und macht sich auf die Suche nach der neuen Sonnenschwinge. Dabei trifft sie auch ihren lange vergessenen Zwillingsbruder, ein bekanntes Gesicht, wieder und findet eine neue Liebe...
 
Ein ganz nebensächlicher Handlungsstrang, den ich eigentlich schon fast als unnötig und unbedeutend abgetan hatte, tritt gegen Ende noch einmal kurz in den Vordergrund. Umbra Jones, die rachsüchtige Mutter von Raja und Hobby-Bösewicht, räumt ihren Platz im Spiegelrat für ihre Tochter und verschwindet auf die Erde mit undurchsichtigen Plänen. Hat sie etwa von ihren Racheplänen immer noch nicht Abstand genommen...? 
 
 
"Umbra drehte sich zur Seite, verwandelte sich in eine Wolke aus Eisblumen und flog mit dem Käfer über den See. Sie verschwand in der Dunkelheit. Augenblicklich wusste Mahin, dass Umbra etwas plante. (...)
Mahin flüsterte einen Namen und hoffte, dass sie unrecht hatte."
 
 
Dieser dritte Teil verwebt viele neue aber auch bekannte Gesichter kunstvoll zu einer einzigen Geschichte. Kasumi und ihr Geliebter Ivan nehmen einen nicht unbedeutenden Platz ein, auch Lucija, Sander und deren Sohn Aidan, das neue Element des Feuers, kommen vor. Altbekannte wie Sotais Eltern, Kasumis Großeltern, der Rabenmann Artus und die Wächterin der Grenze Elfrun dürfen wir ebenfalls wieder treffen. Was ich im zweiten Teil etwas vermisst hatte, die genauere Erläuterung von Mond- und Sonnenschwinge, wird endlich geklärt und auch noch einmal Axikon genauer beschrieben. Leider konnte man Miro, seine Geschichte als Sonnenschwinge und der doch etwas rätselhafte Epilog am Ende von Band Zwei nicht mehr näher kennenlernen. Allgemein geht es in diesem Band viel ruhiger zu, romantisch, beschaulich und trotzdem spannend. Sehr interessant ist es auch, Axikon noch einmal aus der Sicht eines Menschen zu erleben.
 
 
"Bäume, Häuser, seltsame Fabelwesen wie Einhörner und Drachen, Blumen, die zu brennen schienen, Regenbogen, Wolken, Schnee und Eisblumen, Herbstlaub, Wasserfontänen und rot leuchtenden Regen wie Feuerfunken."
 
 
Der Schreibstil ist locker-flockig, wie ich das auch schon gewohnt war, dieses Mal wieder mit vielen tollen Beschreibungen und in angenehmem Tempo.
Wie ich schon einige Male in vorherigen Rezensionen betont hatte, hat die Autorin die einmalige Gabe, mit ihren Worten ein Bild zu gestalten, dunkel, schillernd, glänzend und geheimnisvoll wie die Welt, die sie erschaffen hat. Mit dem malerischen Stil, der sehr beschreibend und treffend das Geschehende umschreibt, ist es sehr angenehm und einfach zu lesen und die Seiten rauschten wieder nur so vorbei. Der ständige Wechsel zwischen Erde und Axikon und die Reaktion der Charaktere darauf ist sehr interessant rüber gebracht. Sotai fühlt sich auf der Erde fremd und hilflos, während Ruben mit Axikon zuerst nicht sehr viel anfangen kann.
 
Die Idee mit den Elementen und auch der recht gewöhnliche und nicht gerade überraschende Verlauf des Plots ist zwar nicht wirklich etwas, was man noch nicht zuvor schon mal irgendwo gelesen hat, doch trotzdem erschien es mir ausreichend abwechslungsreich und faszinierend mystisch, dass es mich in seinen Bann gezogen hat. Axikon, der Spiegelrat und die beiden Schwingen sind jedoch etwas komplett Neues, was die Geschichte einzigartig macht. Auch die Nacht, der Mond und dessen Kraft konnte seine magische Anziehungskraft auf mich wieder ausüben und hat somit meine Faszination zu dem Buch verstärkt.
Oft hatte ich das Gefühl, leichte Dopplungen zum zweiten Teil zu lesen, doch das hat mir nicht wirklich etwas ausgemacht.
 
Sotai, welche man schon aus "Mondschwinge" kennt, ist von einem lebensfreudigen jungen Mädchen zu einer stürmischen und abenteuerlustigen Frau geworden. Ihr Element ist der Wind und genau so ist auch ihr Charakter. Mit ihrer aufgeweckten Art bringt sie viel Schwung in die Geschichte. Sofort war sie mir sympathisch, nachdem ich sie schon im Vorgängerband super fand. Was mir aufgefallen ist, ist das seltsamerweise alle Hauptcharaktere der drei Bände das Element des Windes tragen, Sander, Ivan und nun auch Sotai. Witziger Zufall ;-)
 
 
"Ist Grün deine Lieblingsfarbe?", fragte Ruben. (...) 
"Ja. Und deine?" (...)
"Meine auch", sagte er. "Bei uns ist Grün die Farbe der Hoffnung", flüsterte Ruben. Er war sich nicht sicher, ob sie es gehört hatte, und er war sich genauso wenig sicher, ob er wollte, dass sie es gehört hatte. Er wusste überhaupt nicht, was er hoffen sollte..."
 
 
Ruben jedoch blieb mir etwas zu blass. Leider konnte ich nicht wirklich eine Bindung zu ihm aufbauen. Was er auf der Erde so macht, was er mag, sein Leben, sein Charakter, alles erfährt man sehr spät und recht oberflächlich. Er hat eine Verlobte, stört sich aber nicht sonderlich daran, sonst weiß man am Ende nur, dass er in London wohnt und Lehrer ist. Vielleicht lag es daran, dass es so viele neue Charaktere gab, die im Schnelldurchlauf charakterisiert werden mussten, oder ich habe einfach das Wichtigste überlesen, doch er konnte einfach keine Tiefe entwickeln. Auch das Problem mit der Verlobten löst sich viel zu einfach auf und hinterlässt keinerlei Bedauern in ihm. Eigentlich schade.
 
Mahin ist recht traurig und unbeholfen in der Welt der Menschen, aber eine wirklich treue und liebenswürdige Seele. Wer ihr lange vermisster Bruder ist, will ich hier nicht verraten, es ist aber eine nette Überraschung.
 
Umbra bleibt in diesem Teil sehr im Hintergrund und verschwindet am Ende doch sehr trivial. Ich hätte mir da ein bisschen mehr erhofft, da sie eigentlich immer präsent war und mich mit ihrer Art doch fasziniert hatte.
 
 
"Umbra, die eisige Frau ohne Herz. Sotai schauderte und betete, dass sie dieser Frau nie wieder begegnen musste."
 
 
Eine ganze Reihe an Nebencharakter wird eingeführt, darunter die 4 neuen Elemente darunter Tian und Aidan, Amber und Lynnelle werden hingegen nur kurz angesprochen. Auch der Spiegelrat lernt man näher kennen und am Ende wird endlich alles gut.
 
Wirklich viele überraschende Wendungen gab es nicht und die Erkenntnisse, die es gab, waren für mich doch sehr voraussehbar. Auch das Ende ist nicht so spektakulär, wie es hätte sein können, doch umso interessanter ist es, das mich das Buch dennoch sehr in seinen Bann gezogen hat. Woran genau das lag, kann ich nicht sagen, doch die ganze Reihe umgibt eine wunderschön magische Atmosphäre, welche mich auch sehr auf den vierten Teil gespannt werden lässt.
 
 "Sotai hatte das Gefühl zu schweben, alles um sie herum war weich und leise. Es gab keine Farben und niemand störte sie, bis der Schmerz kam. Er füllte sie aus , verebbte aber jedes Mal sehr schnell. Sie hatte kaum Kraft übrig um sich Gedanken zu machen."
 
 
 
Fazit:
 
Wieder einmal gute 4 Sterne für einen etwas ruhigeren, romantischeren und vielseitigeren dritten Teil, welcher für mich der beste der Reihe um "Die Nacht der Elemente" darstellte.
 
 
 Noch einmal muss ich meinen Dank an die Autorin und den Bookshouse-Verlag für das Rezensionsexemplar aussprechen. <3

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