Montag, 31. Oktober 2016

"Der Chemist" - neues von Stephenie Meyer



Nach dem sensationellen Welterfolg ihrer »Twilight«-Serie mit weltweit über 155 Millionen verkauften Exemplaren, bringt die Weltbestsellerautorin Stephenie Meyer am 8. November  2016 ein weiteres Buch auf den Markt. Anders als die vorherigen Bücher, die fast alle Romanzen waren, haben wir es hie mit einem Thriller zu tun: knallhart, kompromisslos und ultraspannend.Der Chemist - Die Spezialistin" erscheint im FISCHER Scherz-Verlag und hat 624 Seiten.

Kindle Edition: 19,99 €
Gebundene Ausgabe: 22,99 €
ISBN-10: 3651025500
ISBN-13: 978-3651025509




Inhalt:
Sie hat für eine geheime Spezialeinheit der US-Regierung als Verhörspezialistin gearbeitet. Sie weiß Dinge. Zu viele Dinge. Deshalb wird sie jetzt selbst gejagt, bleibt nie länger an einem Ort, wechselt ständig Name und Aussehen. Drei Anschläge hat sie knapp überlebt. Die einzige Person, der sie vertraut hat, wurde umgebracht. 

Doch jetzt hat sie die Chance, wieder ein normales Leben zu führen. Dafür soll sie einen letzten Auftrag ausführen. Was sie dabei herausfindet, bringt sie jedoch in noch größere Gefahr, macht sie verwundbar. Denn zum ersten Mal in ihrem Leben gibt es einen Mann an ihrer Seite, der ihr wirklich etwas bedeutet. Und sie muss alles dafür tun, damit sie beide am Leben bleiben – mit ihren ganz eigenen Mitteln …

Sonntag, 30. Oktober 2016

Flammen über Arkadion

 

 
Allgemeines:
 
Titel: Flammen über Arcadion
Autor: Bernd Perplies
Verlag: LYX (13. September 2012)
Genre: Fantasy/ Dystopie
ISBN: 978-38025863/78
Seitenzahl: 528 Seiten
Preis: 6,99€ (Kindle-Edition;
19,99€ (gebundene Ausgabe)
Weitere Bände: "Im Schatten des Mondkaisers";
"Das geraubte Paradies"



Inhalt:


 "Wenn das Licht den Tod bringt, musst du in die Schatten fliehen."
 

Nach dem Großen Krieg sind weite Teile der Welt verwüstet. Angst und Aberglaube beherrschen die Menschen. Nach dem Sternenfall finden viele Menschen Zuflucht in Arcadion. Arcadion ist wortwörtlich das Paradies auf Erden. Erschaffen und regiert vom Lux Dei. Ringsum liegt die Welt in Trümmern, Schutt und Asche. Doch auch Arcadion wird von vielen Übeln bedroht. Allen voran gelten die Invitros als die größte Gefahr für die Gesellschaft.

Die sechzehnjährige Carya lebt mit ihren Eltern in Arcadion, den Ruinen des einstigen Rom. Eines Tages muss sie mit ansehen, wie ein junger Mann von den Schwarzen Templern festgenommen wird. Er soll von der Inquisition gefoltert werden. Voller Wut schießt Carya auf zwei der Inquisitoren und ist fortan auf der Flucht. Ihre einzige Hoffnung ist der junge Templersoldat Jonan, der sein Leben aufs Spiel setzt, um Carya zu retten.
 


Bewertung:


"Auf dieses Zeichen hin schob der maskierte Inquisitor den Wandschirm neben Laura zur Seite und enthüllte ein Metallgestell, an dem zahlreiche Werkzeuge hingen, mit denen ein normaler Mensch Nägel in die Wand geschlagen, Äpfel geschält oder Rosen geschnitten hätte."


Wie ihr vielleicht schon an dem Zitat seht, ist das Buch absolut nichts für zarte Seelen. Es wird gemordet, gefoltert, verstoßen und zu unrecht verurteilt. Und das in dem sogenannten "Paradies auf Erden", der Stadt Arcadion. "Flammen über Arcadion" ist praktisch der Inbegriff einer postapokalyptischen Dystopie. Nach einem großen Unglück, der Sternfall, ist die ganze Welt zerstört, die Menschen finden jedoch Zuflucht in Arcadion und müssen den Errichtern und auch Herrschern, der Lux Die, deshalb Respekt und Anerkennung zollen.

In dieser Welt lebt unsere Hauptperson, die sechzehnjährige Carya. Sie genießt das Privileg, eine höhere Schule besuchen zu dürfen und ist außerdem Mitglied in der Templerjugend, einer Jugendorganisation des Lux Dei. Viel Zeit verbringt Carya mit ihrer besten Freundin Rajael. Diese stellt ihr eines Tages Tobyn, ihren neuen Freund vor. Tobyn jedoch wirkt unruhig und gehetzt. Als er kurz mit Rajael unter vier Augen sprechen will, beobachtet Carya, wie Tobyn ihrer Freundin etwas zusteckt. Dann verschwindet Tobyn, ohne sich zu verabschieden.

Bei einem Ausflug der Templerjugend in den Lichtdom, trifft Carya das erste Mal auf Jonan. Bei einem kurzen Blickkontakt mit Jonan fährt es Carya durch Mark und Bein. Was hat das zu bedeuten? Jonan ist immerhin ein schwarzer Templer, Mitglied der Elitegarde Arcadions.
Jonan trifft bei einem späteren Einsatz in einem Chemielabor auf Tobyn, verwundet ihn und nimmt ihn gefangen. Doch was wollte dieser Tobyn im Invitrolabor?

Am nächsten Tag will Rajael dringend mit Carya sprechen. Sie braucht ihre Hilfe. Rajael weiht Carya in Tobyns Geheimnis ein. Tobyn ist ein Invitro, ein Künstlicher, welche die Regierung so erbittert verfolgt. Rajael bitte Carya um Hilfe. Sie weiß, dass sie Tobyn nicht retten kann, aber sie möchte ihn ein letztes Mal sehen. Carya gelingt es, eine Einladung zur Verhandlung des Invitros zu erhalten. Zusammen mit ihrer Freundin sitzt sie in einer der Zuschauerlogen. Doch dann kommt es zu einem Zwischenfall. Rajael hat Carya offensichtlich nur benutzt. Carya handelt intuitiv und schießt auf zwei Templer. Den beiden Mädchen gelingt es, aus dem Gebäude zu fliehen. Doch nun verändert sich Caryas Leben schlagartig. Und plötzlich erhält sie von unerwarteter Seite Hilfe...


"Ein halb entkleideter Haufen Mensch lag dort in einer Lache aus Blut, die im Schein der Sonne beinahe unnatürlich schön rot leuchtete."


Sehr bald merkt man, dass Arcadion alles andere als schön, gerecht und gut ist. Des Öfteren läuft es einem eiskalt den Rücken hinunter und angesichts der himmelschreienden Ungerechtigkeiten möchte man am liebsten laut fluchen und das Buch gegen die Wand werfen.

Der Beginn des Buches hat mich ehrlich gesagt nicht sonderlich für sich eingenommen. Sehr
genau und schleichend wird man recht langatmig in den Alltag  Caryas in Arcadion eingeführt. Aber mit höherer Seitenzahl wurde alles schlagartig spannender. Gerade als ich zu der Meinung gelangt war, dass wohl nicht mehr allzu viel passieren würde, wurde ich überrascht. Mit einer hundertachtzig-Grad-Wende drehte sich die ganze Situation komplett. Plötzlich hielt ich das Buch wie gebannt in meinen Händen und war aufgrund der vielen unabwägbar Wendungen absolut gefesselt. Immer wenn ich dachte, ich weiß wie die nächste Szene ablaufen würde, hat der Autor dann eine für mich unvorhersehbare Wandlung eingebaut. Diese Entwicklung hatte ich nach dem doch etwas seichten Einstieg nicht mehr erwartet!

 Bernd Perplies lässt Carya und Jonan abwechseln Szenen aus ihrer Sicht erzählen. Dabei verwendet er den personalen Erzählstil und beschreibt die Gefühls- und Gedankenwelt beider Charaktere passend.
Die Hauptprotagonistin Carya ist fest in die Welt Arcadions integriert und wird von einem Tag auf den anderen aus ihrem gewohnten Leben gerissen. Sie wirkt am Anfang etwas naiv, hat Vertrauen in die Richtigkeit ihres Systems und wagt nicht zu Zweifeln. Im Lauf der Geschichte erkennt sich jedoch die Falschheit der Regierung und ist entsetzt darüber. Sie entwickelt eine gehörige Portion Selbstbewusstsein, Intelligenz und Stärke. Sie ist so mutig, für ihre Überzeugungen einzustehen und die notwendigen Konsequenzen zu tragen, was an manchen Stellen vielleicht ein wenig stur, aber umso sympathischer rüberkommt. Sie bereut ihre Taten nicht und glaubt an die Richtigkeit ihrer Handlung. Und auch dem Leser ist bewusst, das es so nicht weitergehen kann. Denn wenn niemand sich auflehnt, dann wird es immer weitergehen mit der Ungerechtigkeit.

"Nichts geschieht ohne Grund", erklärte der Priester. Denn das Unrecht wächst nur und wird größer, wenn sich keiner dagegen erhebt."


Jonan ist ein von der ersten bis zur letzten Seite durchgehend einprägsamer und präsenter Charakter. Trotz seiner anfänglichen Zugehörigkeit zur "falschen Seite" fand ich ihn gleich super. Er möchte die Position, die er innehat, eigentlich gar nicht, hat sie aber auf Wunsch seines Vaters dennoch angetreten. Er vertritt die vom Lux Dei vorgegebenen Ideale nicht und kommt seinen Aufgaben manchmal nur widerwillig nach. Als er seine Moral über sein Pflichtgefühl und die Loyalität seinem Vater gegenüber siegen lässt und eine richtige, lebensrettende Entscheidung trifft, ändert sich auch bei ihm alles. Er wird zum Gejagten, einem Rebell und Gesetzbrecher wie Carya. Sehr ruhig und bedacht wirken alle seine Entscheidungen.
"Ich werde an deiner Seite sein", flüsterte er. "Bis zuletzt".
Natürlich gibt es noch eine Vielzahl weiterer genialer Charaktere, die alle authentisch und interessant gezeichnet sind, doch in diesem Buch ist es ein wahres "Kommen und Gehen" von Charakteren, die man ins Herz schließt, dass ich das hier kaum auflisten kann. Das die "Guten" immer wieder herbe Rückschläge erleiden und immer wieder liebgewonnene Personen sterben, ist der realistische und zugleich etwas ernüchternde Teil der Dystopie. Man kann sich nicht wie bei anderen Büchern auf der Gewissheit ausruhen, dass der Autor sowieso keinen sterben lässt, sondern muss der Wahrheit ins Auge blicken. Durch diese Grausamkeit und Ernüchterung wird dem Leser das wahre Ausmaß des Machtmissbrauchs und der Unrechtsherrschaft erst so richtig vors Auge geführt.

Ich habe die Handlung mit Spannung verfolgt und wollte eigentlich gar nicht mehr aufhören zu lesen. Im Buch taucht zudem ein Rätsel auf, das wohl erst ein einem der beiden Folgebände gelöst werden wird, das aber schon in diesem Band eine wichtige Rolle spielt.

Das Cover dieses Buches ist ein richtiger Hingucker! Es ist in schlichten Farben gehalten, sehr düster mit einer in rot strahlender Stadt und zeigt als Motiv im Vordergrund eine Hand mit einer zerbröselnden Rose. Ich denke, dass es sich dabei um die sogenannte Ascherose handelt, auf die im Buch noch zurück gekommen wird.
Ebenso muss ich erwähnen, dass den Leser beim Aufklappen des Buches eine wirklich gelungene Überraschung erwartet: sowohl vorn und auch im hinteren Innenbuchdeckel zeigt sich die Illustration einer dunklen, untergehenden Stadt, Pferde, die ein Auto ziehen, eine Festung mit roten Fahnen geschmückt. Welche dann aber auch der einzige Farbtupfer in dem insgesamt düster gehaltenen Bild sind.
"Und genau deshalb möchte ich dich warnen. In Systemen wie dem Lux Dei gibt es nur zwei Sorten von Menschen: Herrscher und Diener. Die Herrscher verfügen über eine Macht, die sie vor vielem beschützt, das einem normalen Menschen zum Problem werden könnte. Die Diener dagegen sehen sich der ständigen Gefahr ausgesetzt, zum Opfer zu werden, wenn das System Opfer fordert. [...]"

Außerdem positiv aufgefallen ist mir, dass der Roman auf geographischen, historischen, (kirchen-)politischen und psychologischen Realitäten aufbauen, die die Geschichte absolut glaubhaft machen. In Arcadion erkennt man unschwer Rom, beziehungsweise die Vatikanstadt, mit seinen Hügeln, seinen Straßenzügen, dem Tiber, der Engelsburg und einem riesigen Dom im Mittelpunkt der Stadt. Wie um die Hinweise noch zu verdeutlichen liegt Arcadion laut Autor auf einem stiefelförmigen Land und auch die Menschen dort haben italienisch klingende Namen.

Die Inquisition der Kirche des Mittelalters ist ebenso deutlich zu erkennen, wie die Auswirkungen der Macht, das Beherrschen der Menschen durch Angst und Drohung, die Angepasstheit der Bevölkerung, das "Nicht-Wissen-Wollen" der meisten. Die Ablehnung gegen alles Neue, Unbekannte ist nicht neu erfunden sondern kann in jeder geschichtlichen Dystopie gefunden werden. Das schiere Abscheu des Lux Dei gegenüber den Invitros, den künstlich in einem Reagenzglas gezüchteten Menschen ist so ein Beispiel.
Das alles lässt die Geschichte solide und glaubwürdig erscheinen und gibt den Locations zusammen mit dem Stil ein sehr mittelalterliches und historisches Flair.
"Der Sternenfall traf uns, weil die ganze Menschheit fehlerbehaftet war. Das galt für die Invitros noch mehr als für uns Kinder Gottes. Und es gilt noch heute. Solange die Invitros unter uns sind, steckt ein Dorn der Sünde in unserem Körper und verhindert dessen vollständige Reinigung und Genesung. Sie sind ein Erbe der alten Zeit, der Zeit, die wir hinter uns gelassen haben."


Nun noch ein paar Worte zum Schreibstil. Da ich noch kein Buch des Autors Bernd Perplies gelesen habe, lässt sich schlecht sagen, ob dieser einfach super an die Geschichte angepasst wurde oder ob dieser etwas eigentümliche Stil einfach seine Art zu schreiben darstellt. Ich war nach kurzer Verwunderung jedenfalls davon angetan. Wie er die Umgebungen, Personen und Geschehnisse zeichnet, wirkt sehr altertümlich, ich würde mal behaupten mittelalterlich, ab und an sogar ein befremdlich. Durch die Wortwahl erzeugt er diesen Effekt und lässt alles seltsam rund und stimmig erscheinen. So ist das Licht Gottes, abgeleitet vom Lux Die, zum Beispiel ein ständiger metaphorischer Begleiter und auch sonst ist die Ausdrucksweise schlichtweg andersartig und perfekt verwoben mit der erdachten Welt. Ich hätte mir für diese Art von Geschichte keinen besseren Stil wünschen können. Er trägt die gesamte Atmosphäre und lässt die Protagonisten mit all ihrer Emotion darin richtiggehend aufblühen.

"Das Licht Gottes scheint auf alle empfindungsfàhigen Wesen herab"

Der Showdown am Ende wird so nervenaufreibend geschildert, dass die Spannungskurve noch einmal einen enormen Ausschlag erlebt und dem Leser ein fulminantes Ende beschert. Gleichermaßen abwechslungsreich, kriegerisch, blutrünstig, spannend wie tiefsinnig schließt das Buch.

Obwohl "Flammen über Arcadion" keinen direkten Cliffhanger besitzt, wird man dennoch sehnsüchtig dem nächsten Band dieser Reihe entgegenfiebern, denn dieses Buch bleibt in Erinnerung und man möchte einfach nur wissen, wie Bernd Perplies die Geschichte um Carya und Jonan weiterspinnt. Die Frage ob ich die weiteren Teile lesen werde ist also hinfällig, bleibt nur noch zu überlegen wann!
Mit einem wunderschönen und in dem passenden Kontext unglaublich traurigen Zitat möchte ich diese Rezension schließen:


"Die Sterne, die am hellsten brennen, mögen als erste verglühen."


Fazit:

Dieser postapokalyptische Auftakt einer opulenten neuen Dystopie-Trilogie hat mich vollkommen überzeugt und konnte mich dank der Andersartigkeit des Stils, der Charaktere und den vielen interessanten Ideen begeistern.
 

Samstag, 29. Oktober 2016

Der zweite Teil der Secret-Elements-Reihe erscheint bald!



Am 3. November diesen Jahres wird der zweite Teil der "Secret-Elements-Reihe" von Johanna Danninger  im "Impress-Verlag" erscheinen. Nach "Secret Elements - Im Dunkel der See" heißt der neue Teil nun "Secret Elements - Im Bann der Erde".  
Wie sein Vorgänger wird dieses Buch nur als Kindle-Edition erhältlich sein und 3,99€ kosten.

  • Dateigröße: 3269 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 220 Seiten
  • ASIN: B01M1DBY7Y


Inhalt:

"Dort, wo deine Welt endet, beginnt Magie…"

Jay hat sich entschieden: Sie ist bereit, sich auf die Anderswelt einzulassen und ihr Schicksal anzunehmen. Doch während sie es kaum erwarten kann, sich ihren Feinden entgegenzustellen und die restlichen Elemente aufzuspüren, verbietet Lee ihr weiterhin, sich an den Missionen von Team 8 zu beteiligen. Er sieht in ihr nur eine Gefahr für sich und andere. Etwas, das er Jay bei jeder Gelegenheit deutlich spüren lässt und womit er sie buchstäblich in den Wahnsinn treibt. Jay ist gefangen zwischen Angst und Selbstzweifeln, denn keiner weiß, was geschehen wird, wenn sie als Trägerin des Orinion versagt

Textauszug:

"Wir waren gerade dabei, den Aufzug zu verlassen, als Lee in der Lichtschranke der Türen abrupt stehen blieb. Ich wäre beinahe mit der Nase in seinem breiten Rücken gelandet. Er drehte sich zu mir um und ich musste den Kopf in den Nacken legen, um in seine dunkelblauen Augen blicken zu können. "Wenn ich dich in unser Team integrieren soll, musst du mich endlich als Captain akzeptieren", sagte er leise und sah fast schon bedrohlich zu mir herab. "Wenn ich dich als Captain akzeptieren soll, dann musst du mich auch wie ein gleichwertiges Mitglied des Teams behandeln."

Freitag, 28. Oktober 2016

Rauklands Schwert


 


Allgemeines:

Titel: Rauklands Sohn
Autor: Jordis Lank
Verlag: Verlagshaus el Gato (3. Juni 2014)
Genre: Mittelalterlicher Abenteuerroman
ISBN978-3943596434 
Seitenzahl: 350 Seiten
Preis: 5,99€ (Kindle-Edition)
13,90€ (Taschenbuch)
Weitere Bände: "Rauklands Sohn"
LinkHier klicken! 


 
Inhalt:
 
"Ronan schlang die Arme um die Knie und verkroch sich tiefer unter drei Lagen Wolle. doch gegen die Kälte in seinem Inneren halfen weder Decken noch Toröfen. Raukland. Ein Albtraum, der ihn aus dem Schlaf riss."
 
Lannochs langer Winter ist hart für Ronan, der härteste seines Lebens. Hin- und hergerissen zwischen Rauklands Schicksal, seiner Sorge um Hannah und einem Leben an Eilas Seite, weiß Ronan nicht länger wohin er gehört. Verzweifelt versteckt er sich auf Lannoch, während Raukland unter der grausamen Regentschaft von Broghan zu Grunde zu gehen droht. Sein Entschluss, seine alte Heimat für immer zu vergessen, wird endgültig zunichte gemacht, als am Horizont raukländische Schiffe sichtbar werden. Als alles verloren scheint, wird Ronan klar, dass er sich Broghan und seiner Bestimmung stellen muss...

 

Bewertung:

 
 DISCLAIMER: Da dies der dritte Band einer Trologie ist, können mögliche Spoiler über den ersten und zweiten Teil nicht ausgeschlossen werden!

 
Was die äußerliche Aufmachung angeht, kann ich mir nur wiederholen.  Das Cover ist ähnlich wie bei seinen Vorgängern "Rauklands Sohn" und "Rauklands Blut".  Zu sehen ist in recht dunkler und bedrohlicher Atmosphäre eine trutzige Burg auf einem Hügel, darunter das Meer oder ein See, im Vordergrund ein edel glänzendes Schwert. Nachdem ich das Cover im ersten Teil als Burg von Lannoch gedeutet hatte, im zweiten Teil eher zur raukländischen Fehdorn Ghan tendierte, bin ich nun wieder zu Lannoch gewechselt. Doch was auch immer die Burg darstellen soll, die Grundatmosphäre der Bücher ist perfekt getroffen.


"Ich schwöre, dass ich Rauklands König sein werde", sagte er laut. Jedes einzelne Wort klang in seinem Inneren wie der Nachhall eines Glockenschlags. "Der König eine Landes, in dem Frieden mehr zählt als Blut."


Dieses Mal ist das Cover ganz in dunklen Grüntönen gehalten, was Hoffnung symbolisieren könnte. Wieder muss ich aber kritisieren, dass ich es etwas zu "Doku-mäßig" empfand und mich an den Vorspann von Terra X erinnert sah. Natürlich ist es sehr passend und hübsch gestaltet, hätte aber meiner Meinung nach noch etwas mehr Potential gehabt. Die Gestaltung rund um das Buch aber ist sehr liebevoll und hochwertig. Spannende Leseproben, hübsche Lesezeichen mit "Gänsehautsätzen", ein toller Buchumschlag mit praktischer Leselasche und nicht zuletzt die hochwertigen, dicken Seiten mit der angenehmen Schriftart in breiter Bedrückung, haben mein Leseerlebnis angenehm abgerundet.
 
Was mich wieder absolut begeistert hat, sind die Outtakes am Ende des Buches. Ich denke, diese Besonderheit des Buches, wird jedem positiv aufgefallen sein. Oder habt ihr schon mal ein Buch gesehen, an wessen Ende verpatze Sätze und Abschnitte, witzige Vertipper und kleine und größerer Logikprobleme angeführt sind? Bestimmt nicht! Ich habe mich natürlich wieder sehr darauf gefreut und herzlich gelacht. Denn wie die Autorin selbst schreibt:

"Was macht ein Raukland-Buch erst komplett? Genau, die schrägen Vertipper der Autorin mit den zu schnellen Fingern :)"
 

Das Buch habe ich theoretisch geradezu verschlungen. Warum bloß theoretisch - ich habe mich fast nicht getraut es zu Ende zu lesen. Für meinen Geschmack war die wundervolle Trilogie viel zu schnell wieder vorbei und der Abschied von all den liebgewonnen Charakteren fiel mir ausgesprochen schwer. Ich habe mich wirklich sehr gefreut, wieder nach Raukland zurückkehren zu dürfen, war aber gleichzeitig schon ein bisschen wehmütig ... denn ich wusste natürlich, dass es das letzte Mal sein würde.


"Gibt auf Lannoch acht, Eila!"
"Geht nicht!", flüsterte sie.
"Ich komme zurück", hauchte er."


Doch beginnen wir doch am Anfang! Nachdem Ronans grausamer Halbbruder Broghan König von Raukland geworden ist, sah sich Ronan gezwungen ins Exil auf seine Insel Lannoch zu fliehen. Obwohl eigentlich alles so sein könnte, wie er es immer wollte, kann er einfach nicht vergessen. Er wollte nie die Verantwortung, die es mit sich bringt, König von Raukland zu sein und könnte nun mit seiner Eila glücklich werden, doch das Schicksal und Broghan lassen ihn nicht so leicht gehen. Am Anfang war es sehr schön, endlich wieder in Lannoch zu sein, all die liebgewonnenen Charakter wieder zutreffen und altbekannte Orte noch einmal zu besuchen. Doch die Freue währte nicht lange, denn während Merin dem Tod näher ist als dem Leben, tauchen plötzlich raukländische Schiffe am Horizont auf und die Inselbewohner müssen abermals Schutz in der Deckung der thermischen Höhlen auf Lannoch suchen. Fürs Erste sind sie dort sicher, doch die Belagerung zieht sich, zeiht sich,.... und zieht sich. Als ihm klar wird, was oder wen die Soldaten auf Lannoch wollen, kann er sich einfach nicht mehr verstecken und somit alle in Gefahr bringen. Seine geliebte Schwester Kiara in Gefahr wähnend, macht er sich schließlich nach einer Drohung eines Soldaten doch überstürzt auf den Weg nach Raukland. Ronan will eigentlich nicht um etwas kämpfen, das ihm nicht gehört, doch angesichts all des Leids, das er dort sieht, fällt es ihm schwer, gleichgültig zu bleiben. Da kommen ihm die aufgebrachten Bauern ganz recht, die sich erheben und einen Aufstand planen...


"Zerlumpte Kinder und gekrümmte Alte streckten ihm die Hände entgegen, Frauen boten ihre Körper feil. Es waren so viele, viel mehr als früher. Von einem Bauernaufstand war hier nichts zu spüren. Es war nicht der Geist der Rebellion, der diesen Menschen ins Gesicht geschrieben stand: Es war Hunger und der Kampf ums Überleben."


Sehr mitreißend wird die Geschichte zu Ende erzählt, ein langes Abenteuer voller Schrecken, Angst, Mut, Liebe, Hass, neuen Freundschaften, Versprechen und viel Herz. Der Weg, den die Protagonisten gehen müssen ist mal wieder nicht sehr einfach sondern verwinkelt, steinig und schwer. Rückschläge, überraschende Wendungen und viele "OMG-Momente" lassen den Leser dabei fast verzweifeln.


Denn in diesem Buch bedient sich Jordis Lank so ziemlich allen Mitteln, um ihre Leser scheinbar zu quälen. Einer meiner absoluten Lieblingscharakter stirbt tragisch, Ronan leidet unter einer wirklich authentischen Zerrissenheit zwischen zwei Frauen, ein Rückschlag oder falsche Entscheidung folgt auf die nächste und viel Blut, Schweiß und viele Tränen müssen vergossen werden, bis endlich alles so ist, wie es sein sollte. Das Happy End lässt wirklich sehr lange auf sich warten, ... doch es kommt, und das ist es, was wichtig ist!

Die Spannung - mir kommt es fast überflüssig vor, das jetzt noch zu sagen - ist natürlich die ganze Zeit sehr hoch, was es mir sehr schwer gemacht hat, das Leseerlebnis so lange wie möglich hinauszuzögern. Ich bin eigentlich ein absoluter Schnellleser und überfliege aus Versehen oft ganze Kapitel, doch bei diesem Buch habe ich versucht, mir die Zeit zu nehmen, ganz bewusst zu lesen. Das Ergebnis war ein ultra intensives Abenteuer, das mich durch die ganze Gefühlspalette hindurchbegleitet hat.


"Alles kam zurück. Der Rauch, der ihm das Atmen schwer machte. Die hilflose Verzweiflung, mit der sein Herz gegen seine Rippen schlug. Die ohnmächtige Wut, die ihn schüttelte, bis er glaubte zu zerspringen..."

 
Die Charaktere haben mich wieder bezaubert. Immer noch wird abwechselnd aus der Sicht von den verschiedenen Protagonisten erzählt, weshalb man einen guten Überblick über die Geschehnisse erhält. Auf Ronan wird aber dieses Mal ein klarer Fokus gesetzt, bloß für Eila wird seine Perspektive einige Male unterbrochen.

Ronan hat es mir sehr angetan, wie ich nicht genug betonen kann. Schon von klein auf, mutterlos und alleine, wurde er von seinem Lehrmeister Zhodan hartnäckig und schonungslos dazu erzogen, ein König und Krieger zu werden, weshalb er immer noch nach zwei entwicklungsreichen Teilen Schwierigkeiten hat, sich zu öffnen und vor allem: Zhodan als seinen Vater zu akzeptieren. Durch viel Schmerzen, einige Rückschläge, viele verrückte und hirnrissige Aktionen, Ungerechtigkeiten, Auflehnung, Mut und Vertrauen entwickelt er sich immer weiter auf seinem Weg. Trotzdem schafft er es immer noch die ganze Zeit authentisch der selbe junge Ronan Carinn zu bleiben, den man am Anfang kennengelernt hat und das stelle ich mir für einen Autor sehr schwierig vor.
Während er sich im ersten Teil von selbstverliebten Königssohn auf einem langem und steinigen Weg zu einem Freund und Verbündeten entwickelt hat und im zweiten Teil zwischen seiner neuen Art, seinen Freunden, seinem eigenen Glück und der Verantwortung gegenüber Raukland entscheiden musste, steht er im dritten Teil wieder vor einer unglaublichen Verantwortung und am Ende sogar vor dem Tod. Lange hadert er mit der Rebellion, die seine Zwillingsschwester Kiara angezettelt hat, will nicht um etwas kämpfen, das ihm nicht gehört, doch angesichts Broghans Grausamkeit und Rücksichtslosigkeit, die Raukland in den Ruin zu treiben droht, rafft er sich zusammen.


"Irgendwo muss es einen Anfang nehmen!", hatte Kiara gesagt. Doch eine Rebellion wurde mit Blut bezahlt und das meiste davon würde in ihren Reihen fließen. Er hatte kein Recht das Leben all der Männer und Frauen aufs Spiel zu setzte. Raukland war nicht länger sein Land. (...) Broghan zu stürzen verlangte, mit dem Wissen in den Tod zu gehen, dass die eigenen Kinder als Waisen aufwuchsen. Es verlangte, für diejenigen zu sterben, die neben einem marschierten. Es verlangte, unter Folter zu schweigen um die zu schützen, die weiter machten. Diese Schlacht würde nicht mit Waffen entschieden werden, sondern mit dem Herzen. Wie sollten sie siegen, wenn nicht einmal seines für den Kampfs schlug?"


Beim Lesen habe ich mich manchmal gefühlt, wie eine besorgte Mutter, die ihm am liebsten ordentlich in den Hintern getreten und wachgerüttelt hätte, wenn er mal wieder kurz davor stand, sich falsch zu entscheiden. Jordis Lank macht es ihm wirklich nicht einfach, lässt viel leiden, mitfühlen, hassen, kämpfen und trauern und wir lieben ihn für seine ganz eigene Art, all das durchzustehen. Als er am Ende endlich zu verstehen scheint, Zhodan als seinen Vater anerkennt und seine Bestimmung annimmt, war ich unendlich erleichtert. Lange Rede, kurzer Sinn: Er ist einfach ein unglaublich sympathischer, sich wandelnder und auch stur moralischer Charakter, der für seine Lieben mit allen Mitteln kämpft.

Liam hat endlich auch wieder eine kleine Rolle zu spielen, nachdem ich ihn im zweiten Teil so schmerzlich vermisst habe. Er kämpft immer noch mit seiner Angst, schafft es aber nach und nach den Feigling in ihm zu besiegen und sich schließlich sogar zu opfern - wer jetzt schon Angst um seinen Lieblingscharakter bekommt: NEIN, er ist es nicht, der stirbt, sondern bekommt auch sein Happy End.

Ich habe in meinen vorherigen Rezensionen schon erwähnt, dass ich Eila, die kratzbürstige Prinzessin Lannochs nicht so ganz mochte. Mit ihrer recht naiven und draufgängerischen Art ist sie mir in Band 1 und 2 schon ordentlich auf den Nerven herumgetanzt. Natürlich liebe ich ihren widerspenstigen und freiheitsliebenden Charakter, doch auch in diesem Buch scheint sie erst sehr spät erwachsener zu werden. Sie leidet sehr unter dem Tod ihres Großvaters Mein, der ihre einzige Familie war, nachdem ihre Eltern bei einem Schiffsunglück umkamen. Leider wird sie mir hier etwas zu sehr von einem Protagonisten zu einem Druckmittel degradiert. Recht ruppig wird sie von einer Seiet zur anderen geschoben, ausgetauscht, gefangen gehalten und weit weg in Sicherheit abgeschoben. Das ist recht realistisch in so einer Situation und zeigt anschaulich die Skrupellosigkeit Broghans, aber auch, was Ronan alles zu tun bereit ist, um die, die er liebt zu schützen.


"Ronan, der wahre König. Das war es, was sie riefen, während sie die Fäuste in Richtung Fehdorn Ghan schüttelten. (...) Nun sah er, dass Kiara recht gehabt hatte. Wenn er nur genügend Bauern dazu bringen konnte, sich ihm anzuschließen, konnte ihre schiere Masse Broghans Männer bezwingen."
 

Worüber ich zuerst leicht angesäuert war, ist die sich entwickelnde Dreiecksbeziehung. Ich fürchtete, das das Buch, welches bisher von jeglichen Klischees oder typische Handlungssträngen eines "Frauenbuchs" abgesehen hatte, nun doch in Gewohntes abrutscht und seinen geist- und abwechslungsreichen Touch verliert. Ronan findet sich, wie schon im zweiten Teil angedeutet, in einem Dilemma wieder. Einerseits hat er Eila verspochen, sie zu heiraten, liebt sie und will im Grunde seines Herzens ein ganz "normales" Leben mit ihr führen. Doch da ist auch Hannah von Angent...


Zuerst ist sie für ihn nur ein kluger Schatzung, bloß Prinzessin und Kronerbin eines riesigen Landes, welches sich im Krieg mit Raukland befindet. Sie zu heiraten und die beiden Mächte zu vereinen, würde Frieden in die ewige Feindschaft bringen. Doch als sie und ihr Vater, König Bellingor von Agent in die Fänge Broghans geraten und Ronan erfährt, dass er gar nicht Rauklands Thronerbe ist, rückt dieser Aspekt in den Hintergrund. Stattdessen fühlt er sich immer mehr zu Hannah hingezogen, lernt ihre ruhige und sanfte Art zu schätzen, nicht ihre Stellung und ihr Erbe. Sie ist zwar blind, bemerkt jedoch mehr von der Welt, als es eine Sehende jemals vermocht hätte und hat so ein sehr zartes, einfühlsames und intelligentes Wesen. Als Broghan sie zwingt, ihn zu heiraten, geht sie keineswegs unter der Bürde ein, sondern entwickelt als Königin von Raukland eine bemerkenswerte Stärke und Willenskraft. In der recht kurzen Rolle, die sie innehatte, ist sie mir schon im vorherigen Band sehr ans Herz gewachsen, für mich kam aber auf gar keinen Fall in Frage, dass Ronan sich für sie entscheidet - obwohl ich sie lieber mochte als Eila. Wie genau er sich entscheidet, will ich natürlich ein Geheimnis lassen. Am Ende ist die ganze Sache dann recht elegant gelöst, was mich auch überzeugt hat. Leider macht Jodis Lank es sich etwas zu einfach dabei. Da ich bei Happy Enden aber immer recht sentimental werde, hat es mir trotzdem gefallen.


"Ronan schnappte nach Luft. "Er ... er liebt Euch?" Er hörte Hannah atmen. Er hörte sich selbst atmen, viel zu schnell. Das Bild von Hannah und Broghan, beisammen im Turmzimmer, stand vor ihm in der Dunkelheit. Wie konnte sie all das ertragen und ihn dennoch in Schutz nehmen? Sie legte die Hand an seine Wange und strich mit dem Daumen darüber. "Er weiß nicht wirklich, was liebe ist, Ronan.", sagte sie leise. "Nicht so wie Ihr und ich."


Über Broghan habe ich ja jetzt schon ganz viel geredet, will aber seinen Charakter noch einmal etwas genauer erläutern. Im Grunde ist er einfach ein scheußliches, grausames und vernachlässigtes Kind, das sich nach Liebe und Aufmerksamkeit sehnt. Ich habe ihn wirklich gehasst, wie bestimmt jeder Leser dieser Reihe, doch es mischte sich auch tatsächlich etwas Mitleid unter den Abscheu. Auch Hannah schafft es, ein kleines Fünkchen Verständnis für den Fiesling aufzubringen und so verliebt sich Broghan in sie. Man glaubt kaum, dass er wirklich dazu fähig ist, zu lieben, doch es schient, als ob sie ihm wirklich am Herzen läge. Wie schon gesagt finde ich den, oft als Erklärung in Betracht gezogenen Aspekt, seine Grausamkeit läge ihm einfach im Blut, recht weit hergeholt. Solche Wesenszüge lassen sich meiner Meinung einfach nicht vererben. Da er sich aber immer mehr in seine Rolle hineinsteigert, keine Grenzen kennt und schließlich fast verrückt wird, denke ich, dass diese Schreie nach Beachtung eher von seiner missratenen Kindheit herrühren.
 
 
"Was habe ich von dir mitbekommen?", flüsterte Ronan. Zhodan sah auf ihn herunter.
"Sturheit", sagte er.
Ein seltenes Lächeln kroch in seine Augen. Sturheit. Das Wort warf ein Echo, das etwas in Ronan zum Schwingen brachte. Es kroch seinen Hals hinauf, legte sich auf seine Lippen und dann lächelten sie einander an, das erste Mal seit Jahren."
 

Zhodan öffnet sich endlich Ronan gegenüber und so bekommt auch der Leser zum ersten Mal mit, dass der gefühlskalte und tapfere Fechtmeister doch tatsächlich Gefühle hat. Es wird von seinem inneren Konflikt erzählt, seine Entscheidungen beleuchtet und obwohl ich ihn zu Beginn noch für seine Entschlüsse und das Handeln in der Vergangenheit verurteilt habe, begann ich gegen Ende zusammen mit Ronan seien Beweggründe zu verstehen und zu akzeptieren. Denn als sich die verbliebenen Seiten dem Ende zu neigten, begann sich alles zu wiederholen. Es passiert Ronan genau dasselbe, wie Zhodan damals, was sehr rührend zeigt, dass sich alles wiederholt. Doch eine wesentliche Sache ist grundlegend anders: Es endet diesmal gut!

Wieso genau die Trilogie mit dem Genre "Fantasy" betitelt wurde, blieb mir immer noch schleierhaft. Ich habe unzählige Rezensionen gelesen, die sich begründen "der Plot berufe sich nicht auf wahre Ereignisse sondern sei frei erfunden". Das stimmt natürlich, doch ein Krimi oder ein Romanze zum Beispiel beruht auch nicht auf wahren Begebenheiten sondern ist erfunden, deshalb bleibt es trotzdem ein Krimi oder eine Romanze und kein Fantasy-Roman. Das Setting der Raukland-Trilogie ist eher historisch angehaucht und erinnerte mich durch die Lebensart und Epochenbeschreibung sehr an ein mittelalterliches Skandinavien. Ritterburgen, große Imperien mit König, die sich praktisch ständig im Krieg befinden, Handel mit entlegenen Ländern, Helden auf Pferden und edle Prinzessinnen. Natürlich wird ein ähnliches Publikum angesprochen, welches auch Fantasy liest, die Geschichte ist erfunden, doch dann hören meine Argumente für die Betitelung mit "Fantasy" auch schon auf. Ein historischer Roman ist es nicht, da stimme ich den vielen Leserstimmen zu. Deshalb habe ich mir also die Freiheit genommen "Mittelalterlicher Abenteuerroman" als Genre festzulegen. 


"Links, rechts. Links, rechts. Auf dem Waldboden tanzten Sonnenkringel. Das grelle Licht flirrte vor Ronans Augen. Seine Haut war heiß, sein Mund trocken. Das Pochen in seinen Schläfen spürte er am ganzen Körper.
Liam, dachte er bei jedem Schritt. Eila.
Liam. Eila.
Übelkeit kroch in ihm empor. Der Waldboden schwankte. Das letzte, was er hörte, war Kiara, die seinen Namen rief."




Was den Schreibstil und die Gestaltung rund um die alleinige Handlung angeht, kann ich mich nur wiederholen. Sehr klar und direkt verlieren sich die Formulierungen nie in endlosen und unnötigen Schnörkeln, bleiben aber malerisch und detailliert dabei. Dieser unglaublich schwierige Spagat zwischen ausschweifenden Landschaftsbeschreibungen und Spannungsaufbau schafft Jordis Lank meisterhaft und ließ mich so das Buch wieder flüssig und ohne Pause lesen. Mitreißend und lebendig wird ein raues, vielseitiges Land erschaffen, das wie seine Charaktere sich immer wieder entwickelt, größer, handfester und bildhafter wird. Durch die Wahl der Schauplätze als dunkle, aber belebte Burgen mit trutzigem Flair, sowie der Umgangsrichtlinien und Lebensweisen ihrer Bewohner erhält das Buch einen Hauch von mittelalterlicher Romantik, die die Handlung nie abgehoben und fiktiv erscheinen lässt, sondern einen echten Touch und Greifbarkeit vermittelt. Eine zeitgemäße Begriffsverwendung sowie der majestätische Plural heben die Authentizität und Vorstellungskraft noch einmal hervor. Ausführliche Beschreibungen und bildgewaltige Details müssen leider zugunsten des Erzähltempos etwas zurückstecken, vermindern den Lesegenuss aber um kein Stück.
 
Die Hintergründe sind zudem wieder einmal sehr gut recherchiert. Man kann in der Art und Weise, wie alles geschildert ist, eine gewisse Tiefsinnigkeit erkennen, welche von einem großen Wissen und einer Begeisterung zu dem Thema erzählt. Was Kriege, Pferde und Kampfkunst angeht, sitzen Details absolut sattelfest und wurden durch viele, von Profis gegengelesenen und auf Praktikabilität überprüften, extra Punkten ausgebaut. Was Schwertkampf und Bogenschießen anging, so schienen mir auch diese Szenen wieder sehr authentisch und wohl durchdacht. 


Beim Ende jedoch herrscht ordentlich Redebedarf! Wie schon erwähnt, macht sich die liebe Jordis die Lösung recht einfach. Doch auch von der Länge gesehen war ich etwas enttäuscht. Natürlich ist es ganz nett ausgearbeitet, aber für mich blieb es etwa zu vage. Der Showdown nimmt sehr viel Platz ein, überzeugte und brachte mein Herz zum Rasen und meine Augen zum Tränen, doch was danach kommt wird mit wenigen Sätzen abgespeist. Man trifft endlich Shea, Ronans verschollene Mutter, erfährt dann aber gar nichts über ihre Geschichte oder ihren Charakter. Auch bekommen Zhodan und Ronan gar nicht mehr die Möglichkeit sich auszusprechen. Fragen, die mir irgendwie noch wichtig waren, wurden ganz unter den Tisch fallen gelassen. Was ändert sich in Raukland? Was passiert mit Raukland und ihren Bewohnern? Wie macht sich Ronan in seiner neuen Rolle? Was passiert mit Broghans Sympathisanten? Wird Weißohr sein Pferd? ... Teilweise recht unwichtig, für mich aber relevante Aspekte.


"Fürchtet Ihr den Tod?", fragte Hannah. Er lächelte schmerzlich. (...)
"Nicht den Tod", sagte er. Den würde er mit offenen Armen willkommen heißen, sehr bald schon. "Ich fürchte, was davor kommt."



Dieses Buch hebt sich vor allem durch einen Aspekt sehr von seinen Vorgängern ab: der Dramatik. Neben dem Ausmaß dieses Plottes wirken die beiden anderen Bücher geradezu "Friede-Freude-Eierkuchen-mäßig". Das erste Buch kam mir schon recht düster vor, endete aber in "Selbstfindungs-Manier". Im zweiten Teil änderte sich die Grundstimmung, passte sich dem rauen Raukland an, und wurde grausamer, politischer und von größerem Ausmaß. Doch dieser Teil vereinte die inneren Probleme der Protagonisten, Romantik, eine auf Krawall gebürstete Gesellschaft und ein ausgewachsenes Unrechtsregime auf so prickelnde Art und Weise, dass ich fast der Meinung bin, nie wieder einen "Mittelalterlichen Abenteuerroman" lesen zu können, ohne ihn fade zu finden. Ich bin nun wirklich froh, mir die "legendären Fünf Sterne" aufgespart zu haben, um nun meine Bewertung gegenüber den anderen Teilen noch etwas steigern zu können. Die Autorin schreibt in ihrer Danksagung etwas, was mir wirklich aus der Seele gesprochen hat, obwohl ich "nur Leserin" bin:


"Jetzt, wo ich Ronan, Liam und all die anderen sich selbst überlassen muss, wünsche ich mir, ich könnte die Zeit zurück drehen und all das erneut zum ersten Mal erleben. Es wird andere Geschichten und andere Welten geben. Aber Raukland wird für immer etwas Besonderes sein."


 
Fazit:

Ein letztes Mal durften wir Leser Ronan durch ein Abenteuer voller Zweifel, Niederlagen und neuer Zuversicht, durch Angst, Blut, ungeahnter Freundschaften und neuer Verbündeter begleiten.
Es wird spannend gekämpft, ordentlich gelitten, leidenschaftlich geliebt und genauso abgründig gehasst. Ich habe mitgelitten bis zum Ende und dann einige Tränen vergossen!! Ich kann euch das Buch wirklich wärmstens empfehlen: Begleitet Ronan auf seinem Abenteuer und lasst euch so verzaubern, wie ich es bin.


Also vielen Dank Ronan, Eila, Hannah, Gismo, Zhodan, Kiara, Broghan und natürlich ihre Erschaffern Jordis Lank, dass ich auf diese Reise mitkommen durfte!!!!!

Haben Sie die Gene zum Überleben? - Das neue Buch "HELIX - Sie werden uns ersetzen"




Am 31. Oktober 2016 wird "HELIX - Sie werden uns ersetzen" von Marc Eisberg im Blanvalet-Verlag erscheinen.Als Kndle-Edition wird der 648 seitige Thriller 18,99€ kosten, als gebundene Ausgabe 22,99€.


  • ISBN-10: 3764505648
  • ISBN-13: 978-3764505646
  • Größe und/oder Gewicht: 14,6 x 4,8 x 22,3 cm




Inhalt:

Haben Sie die Gene zum Überleben?


Der US-Außenminister stirbt bei einem Staatsbesuch in München. Während der Obduktion wird auf seinem Herzen ein seltsames Zeichen gefunden – von Bakterien verursacht? In Brasilien, Tansania und Indien entdecken Mitarbeiter eines internationalen Chemiekonzerns Nutzpflanzen und –tiere, die es eigentlich nicht geben kann. Zur gleichen Zeit wenden sich Helen und Greg, ein Paar Ende dreißig, die auf natürlichem Weg keine Kinder zeugen können, an eine Kinderwunschklinik in Kalifornien. Der Arzt macht ihnen Hoffnung, erklärt sogar, er könne die genetischen Anlagen ihres Kindes deutlich verbessern. Er erzählt ihnen von einem – noch inoffiziellen – privaten Forschungsprogramm, das bereits an die hundert solcher »sonderbegabter« Kinder hervorgebracht hat, und natürlich wollen Helen und Greg ihrem Kind die besten Voraussetzungen mitgeben, oder? Doch dann verschwindet eines dieser Kinder, und alles deutet auf einen Zusammenhang mit sonderbaren Ereignissen hin – nicht nur in München, sondern überall auf der Welt …

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Nacht ohne Namen

 
 
Allgemeines:
 
Titel: Nacht ohne Namen
Autor: Jenny - Mai Nuyen
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (1. März 2015)
Genre: Fantasy
ISBN: 978-3423761093
Seitenzahl: 448 Seiten
Preis: 14,99€ (Kindle-Edition)
16,95€ (gebundene Ausgabe)
 

Inhalt:


"Sie helfen dir, wenn niemand für dich da ist. Sie verleihen dir Macht, wenn du am schwächsten bist. Sie erfüllen deine sehnlichsten Wünsche. Egal wie unmöglich. Sie verlangen nicht viel. Nur hin und wieder leihen sie sich deinen Körper."


Nicki ist 15, als sie in der Berliner U-Bahn Canon kennenlernt, der ebenso wie sie gerne zeichnet. Viel wissen sie nicht voneinander, nicht einmal die richtigen Namen. Trotzdem fühlt Nicki sich zu Canon hingezogen. Als sie eines Nachts einen verstörenden Anruf von Canon erhält, macht sie sich auf die Suche nach ihm, obwohl er genau das nicht wollte. Und natürlich gerät Nicki schon bald in Gefahr, denn mit Dämonen ist nicht zu spaßen …
 


Bewertung:


"Als Nicki das Handy in ihre Pullover Tasche zurückschob, stellte sie sich das Gespräch vor, dass sie mit ihrer Mutter geführt hätte, wäre sie interessierter gewesen: 
 "Was hast du denn so Wichtiges zu tun, liebes Kind?"
"Ach, ein Inkubus hat mich aus einer Drogenhöhle gerettet, jetzt gehört ihm mein Körper, aber der Pakt hat ein paar Unstimmigkeiten, die müssen wir noch aus dem Weg räumen."
"Ach so. Ich hoffe, du hast etwas Warmes zu Abend gegessen?"
"Ja, Mutter, der Inkubus hat mich eingeladen."


Dieses Buch ist sehr schwierig zu bewerten. Einerseits stand mir ein sehr ausdrucksreicher Schreibstil, viel Mystik und eine geniale Idee gegenüber, andererseits wirkte aber die Handlung etwas zu konstruiert, kompliziert und die Charakter konnten mir nicht wirklich zusagen. Zu Beginn hat es mich sehr gefesselt, doch irgendwann habe ich einfach nichts mehr verstanden. Ich verstehe also die Leser, die sehr von dem Buch schwärmen, wahrscheinlich sind sie einfach nur schlauer als ich.  ;)

Das Cover ist zwar recht hübsch anzusehen und von den Farben her ansprechend, allerdings passt es für mich nicht zum Buch. Der Titel neigt sich leicht nach hinten, als würde er verschwinden wollen. Zwischendrin befinden sich ein paar unordentliche rote Flecken, wie Blut. Dahinter ist ein Mädchen zusehen, vermutlich Nicki, und die Skyline von Berlin. Die Ränder sind geschwärzt, als greift die Nacht nach der Stadt. Das Modelbild hat mir wieder nicht gefallen, da ich mir Nicki sehr anderes vorgestellt hatte.


"Die Unwelt ist ein absonderlicher Ort, wenn man sie überhaupt einen Ort nennen kann. Sie ist der Nabel der Fließwelt und doch kann kein Fließwesen sie betreten, jedenfalls nicht aus eigener Kraft. Ebenso wie Menschen nie ganz im Nabel ihrer Welt stehen, nämlich der Gegenwart, sondern stets an den Grenzen von Vergangenheit und Zukunft wanken.
Ihr hängt an der Zeit und könnt sie nicht wirklich halten, wir hängen im Raum und können ihn nicht wirklich betreten."


Das war mein erstes Buch von Jenny - Mai Nuyen und ihr Stil war zu Beginn etwas verwirrend für mich. Sehr verworren und mit vielen sprachlichen Schnörkeln und Umwegen schafft sie eine Atmosphäre, die super zum Buch passt. Da ich ein absoluter Schnell-Leser bin, musste ich oft nochmal zurück blättern und eine Stelle nochmals lesen, das war aber mehr meine Schuld. Sehr mystisch, metaphorisch und reich an Umschreibungen nimmt sie genauso oft Tempo aus der Geschichte, wie sie es steigert.


"Die Gewalt war ehrlich neben der Liebe, die, verkleidet in romantischen Flitter, geschminkt mit buttrigen Pasten der Fürsorge und behängt mit Eitelkeiten, doch nie lange haltbar blieb. Wenn man die Liebe untersuchte, fand man früher oder später die zersetzenden Bakterien des Neids, der Furcht, des Selbstbetrugs. Die Liebe! Frisiert und mit Kullertränen besprenkelt."


Ich finde, dieses Zitat beschreibt ihren Stil ganz gut, seltsame Wort Kombinationen, irgendwie eigenwillig interessant und doch irgendwie seltsam. Oft versteht man schon nach nochmaligen Nachlesen, was sie meint, doch manchmal dachte ich auch einfach nur "HÄ?". Nicht zuletzt durch Tallis kam etwas Schwung in den Stil und brachte viel Humor mit sich.

"Drei Minuten später saßen sie wieder vor der Eisdiele. Tallis hatte seinen Mantel auf der Toilette gewaschen, er lag neben ihm in der Sonne zum Trocknen. Völlig traumatisiert starrte er in die Ferne. Nicki konnte kaum den Blick von ihm wenden. Er gefiel ihr einfach, wenn er litt.
"Wie ist es eigentlich möglich, dass jemand, der fliegen kann, vom Fahrrad fällt?", fragte sie.
"Ich nehme an, das ist eine rhetorische Frage, deshalb werde ich sie einfach mal einstecken und wann anders rausholen, wenn mir nach Selbstironie ist oder das Klopapier fehlt."

Die Handlung an sich, stand auf sehr wackeligen Beinen. Wie auch der Stil ist der Verlauf des Geschehens alles andere als geradlinig und zerrüttet meine Vorstellungen jedes Mal, wenn ich dachte, ich hätte verstanden, was gerade passiert. Wenige, unrealistische Logiklücken und eine plötzliche Verstrickung in tiefste "Urban-Phantasy" ließen den Plot dann so konfus erscheinen, dass ich kurz davor war, das Buch abzubrechen.

Den Klapptext finde ich absolut unzureichend, da er den wesentlichen Punkt des Buches nicht erfasst. Ich versuche mal das wichtigste zusammenzufassen, das ihr versteht, was ich meine, ohne etwa zu verraten:

Nicki und Canon haben sich zwei Jahre lang zum Zeichnen in der Bahn getroffen, doch wirklich kennen sie sich eigentlich nicht. Nicht einmal ihre Namen wissen sie! Die beiden heißen nicht wirklich Nicki und Canon, sie haben sie diese Namen selbst gegeben, aufgrund ihrer Kameranamen. Eines Nachts wird Nicki von ihrer Mutter ans Telefon geholt. Es sei wichtig. Am Apparat ist Canon, der ziemlich gehetzt klingt und sich von ihr verabschiedet. Er muss weg und sie können sich nicht mehr sehen. Er ruft ihr extra an um sie zu beten, ihm nicht zu helfen, dann kommt sie und sucht ihn?
Aufgrund einer Zeichnung von Canon, kann sie nachvollziehen, wo er wohnt. Sie bricht in seine Wohnung ein und stellt fest, dass er dort offensichtlich alleine wohnt. Sie findet einen Zettel mit zwei Namen. „Titanic“ und „Frau La Psie“. Sie sucht und findet ein Lokal diesen Namens uns fragt nach Frau La Psie. Diese führt sie durch einen Aufzug zu einem seltsamen Ort. Dort wird sie plötzlich von einem Jungen angesprochen, als ob der sie schon ewig kenne. Er reißt sie aus dem Raum und flieht mit ihr aufs Dach. Dort stürzt er sich mit ihr in die Tiefe – und fliegt. Er ist ein Dämon. Geschaffen durch menschliche Gedanken und ausgestattet mit besonderen Fähigkeiten, er ist der einzige Charakter, der mir wirklich zu gesagt hat. Tallis ist charmant und sehr gewieft, er legt Nicki sofort rein und man weiß nicht, ob man ihm trauen kann. Nicht ganz uneigennützig begleitet er Nicki auf ihrer Suche nach Canon, die sie in die "Unwelt" führt. Sie findet dort neue Freunde, muss Pakte mit Dämonen eingehen und ihren Körper vermieten - wie die anderen auch. Manchmal werden mit ihren Körpern Dinge verübt, an die sie sich nicht mehr erinnern können. Verbrechen werden begangen - und schnell sind Nicki und ihre neuen Freunde und Verbündete in Gefahr.


"Zwischen dem, was glänzt, und dem, was leuchtet,
liegt der größte denkbare Unterschied."


Sehr spannend und mitreißend wird alles geschildert, mit viel Phantasie und Einfallsreichtum, doch leider konnte ich nicht mehr ganz folgen.
Der Anfang hat mich sehr mitgerissen und eigentlich liegt der Geschichte eine tolle Idee zu Grunde. Die "Unwelt", die die Autorin beschreibt, ist sehr interessant, die Stimmung sehr düster, mystisch und geheimnisvoll. Durch die vielen abstrakten Geschehnissen, welche wenig greifbar sind, wird es aber bald schwierig, sich alles vorzustellen. Die Idee mit der „Gedanken aussprechenden Wand“ wieder fand ich total großartig, aber vieles andere passte wie gesagt irgendwie nicht ganz zusammen.

Wie ich schon sagte, sind mir die Hauptpersonen zu blass geblieben. Nicki, die die Geschichte aus der 3. Person erzählt, konnte ich mir nicht richtig vorstellen, da sie irgendwie immer knapp außerhalb meiner Fassung blieb. Man bekommt zwar viele ihrer Gedanken und Gefühle mit, doch diese wirkten immer viel zu pessimistisch, fast schon depressiv und einfach nur seltsam auf mich. Das einsame unverstandene Mädchen mit Eltern die sie vernachlässigen und keine Vorbilder für sie waren, so sollte wohl noch Mitleid und Verständnis für sie geweckt werden - hat bei mir aber nicht so ganz geklappt. Sie stand aber auch nicht wirklich im Fokus des Buches, weshalb das eigentlich in Ordnung wäre.

„Weil jede Liebe den Tod enthält, ist das Herz eine Phiole giftiges Parfüm.“
 
Von Canon bekommt man zu wenig mit, um sich überhaupt ein Bild machen zu können und auch seine Freunde sind irgendwie klischeebeladen und selbst dabei farblos und wenig greifbar. Wie gesagt hat mir einzig Tallis gefallen. Obwohl er ein Dämon ist, der raffiniert handelt und eigentlich hinterlistig ist, kommt er nett rüber und man weiß, dass er zu ihr halten wird, wenn es hart auf hart kommt. Mit seiner sarkastischen und humorvollen Art hat er mich etwas an Roth aus "Dark Elements" erinnert.

"... Fließende und Fleischliche schließen gelegentlich Pakte. Wir kriegen was von euch, ihr kriegt was von uns. Realität gegen Fließendes Wort. Das heißt, wir können die Gesetze der Natur für euch ein wenig biegen, dafür kriegen wir was von eurer Realität ab. Wir existieren nämlich nicht von uns aus in dieser Welt. Nur durch euch." Er öffnete seine zweite Cola und beobachtete nun sie mit einiger Skepsis. "Du sagst gar nichts."
"Ich soll doch mit den Fragen warten, bis du fertig bist."
"Ach so, ja. Im Prinzip bin ich fertig."
Nicki zupfte an einem Salatblatt, das aus ihrem Wrap regte. Eine Weile schwiegen sie sich an.
"Das Rülpsen hat den Auftritt ruiniert, oder?", fragte er schließlich."

Auch das Zusammenspiel mit anderen Personen, Dialoge und anderes war irgendwie seltsam. So zum Beispiel ihren Mitschülerinnen und Mitschülern, mit denen man als Leser gar nichts anfangen kann. Die Personen, mit denen sie in der "Unwelt" gegen die Dämonen kämpft, Gretchen, Theo und Chips sind dagegen recht gut dargestellt, bleiben aber auch viel zu blass.
Das Schicksal der Figuren war mir irgendwann ziemlich egal und das ist eigentlich nie eine gute Voraussetzung für ein Leseerlebnis.

Das Ende ist nochmals sehr verwirrend und lässt einen mit vielen Fragen zurück, die vielleicht in einem weiteren Band beantwortet werden können. Ob ich dieses Buch lesen werde, ist dann schon eine ganz andere Frage. Ich denke, ich muss dieses Buch zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal wieder lesen und vielleicht verstehe ich dann mehr und es gefällt mir somit besser.


"Vertraust du mir?"
"Ha? Nein!"
 
 

Fazit:

Wenn ich an dieses Buch zurück denke, erinnere ich mich an einen einzigen Wirbel aus verschiedenen Farben, verworrenes Kuddel-Muddel, Sarkasmus und seltsame Formulierungen mit sehr viel Potenzial, das aber für mich etwas zu abstrakt und kompliziert war. Also eigentlich eine geniale Idee mit für ein Jugendbuch etwas mangelhafter Umsetzung.
 
 
Trotz der recht mittelmäßigen Bewertung würde ich das Buch dennoch an alle, die verstrickte, außergewöhnliche "Urban-Fantasy" lesen, weiterempfehlen!


Mittwoch, 26. Oktober 2016

Der neue Psychothriller von Sebastian Fitzek "Das Paket"






Heute, am 26. Oktober 2016 erscheint der neue Psychothriller "Das Paket" von dem Starkrimiautor Sebastian Fitzek.Das E-Book ist für 14,99€ erhältlich, die gebundene Ausgabe kostet 19,99€. Das im Droemer HC-Verlag erschienene Buch hat 368 Seiten.



  • ISBN-10: 3426199203
  • ISBN-13: 978-3426199206
  • Größe und/oder Gewicht: 14,4 x 4 x 22,1 cm




Inhalt:


Seit die junge Psychiaterin Emma Stein in einem Hotelzimmer vergewaltigt wurde, verlässt sie das Haus nicht mehr. Sie war das dritte Opfer eines Psychopathen, den die Presse den »Friseur« nennt – weil er den misshandelten Frauen die Haare vom Kopf schert, bevor er sie ermordet. 

Emma, die als Einzige mit dem Leben davonkam, fürchtet, der »Friseur« könnte sie erneut heimsuchen, um seine grauenhafte Tat zu vollenden. In ihrer Paranoia glaubt sie in jedem Mann ihren Peiniger wiederzuerkennen, dabei hat sie den Täter nie zu Gesicht bekommen. Nur in ihrem kleinen Haus am Rande des Berliner Grunewalds fühlt sie sich noch sicher – bis der Postbote sie eines Tages bittet, ein Paket für ihren Nachbarn anzunehmen. 
Einen Mann, dessen Namen sie nicht kennt und den sie noch nie gesehen hat, obwohl sie schon seit Jahren in ihrer Straße lebt ...


Der Starautor war auch auf der Frankfurter Buchmesse und hat eine gegeben. Magma und ich waren auch dort, hatten aber keine Lust, zwei Stunden anzustehen. Jetzt würde mich interessieren, ob denn jemand von euch ihn getroffen hat und wie er so drauf ist! Schreibt doch einfach einen Kommentar!!!

Lg Sophia

Dienstag, 25. Oktober 2016

Nach dem Sommer


Allgemeines:
Titel: Nach dem Sommer
Autor: Maggie Stiefvater
Verlag: script5 (6. September 2010)
Genre: Fantasy
ISBN: 978-3839001080
Seitenzahl: 424 Seiten
Preis: 18,90€ (gebundene Ausgabe)
9,99€ (Taschenbuch)
22,99€ (Audio-CD)
! kostenloser Hörspieldownload!
Weitere Bände: Ruht das Licht;
In deinen Augen;
Schimmert die Nacht (Extra-Band)
Auszeichnungen:
- Jugendbuch des Monats Dezember 2010 der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur
- Bestes Jugendbuch 2010 auf BuecherTreff.de
- Buch des Jahres 2011 der Jubu-Crew Göttingen
- Landshuter Jugendliteraturpreis 2011
 

Inhalt:
"Sam nahm mein Gesicht zwischen beide Hände und sah mich an. Seine Augen waren gelb, traurig, wölfisch, mein!"

Jeden Winter wartet das siebzehnjährige Mädchen Grace darauf, dass die Wölfe in die Wälder von Mercy Falls zurückkehren – und mit ihnen der Wolf mit den goldenen Augen. Ihr Wolf.
Ganz in der Nähe und doch unerreichbar für sie, lebt Sam ein zerrissenes Leben: In der Geborgenheit seines Wolfsrudels trotzt er Eis, Kälte und Schnee, bis die Wärme des Sommers ihn von seiner Wolfsgestalt befreit. In den wenigen kostbaren Monaten als Mensch beobachtet er Grace von fern, ohne sie jemals anzusprechen – bevor die Kälte ihn wieder in seine andere Gestalt zwingt.
Doch in diesem Jahr ist alles anders: Sam weiß, dass es sein letzter Sommer als Mensch sein wird. Es ist September, als Grace den Jungen mit dem bernsteinfarbenen Blick erkennt und sich verliebt. Doch jeder Tag, der vergeht, bringt den Winter näher – und mit ihm den endgültigen Abschied.´
Bewertung:
"Sie war Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft,
Ich wollte antworten, aber ich war zerbrochen."
Absolut hervorheben möchte ich das wunder-, wunder-, wunderschöne Cover. Es ist ein Mädchen zusammen mit einem Wolf zusehen. Zwischen ihnen ein kleines rotes Herz, welches die Verbundenheit aufzeigen soll.
Der Hintergrund ist sehr herbstmäßig gestaltet und die Schnörkel passen perfekt in die Gesamtstimmung. Die leicht verschwommene Optik, das glänzend-schimmernde Cover, die Grafik -absolut passend zum Buch wie Grace sich ihrem Wolf nähert-, der Spotlack - hier stimmt wirklich alles! Ein absolutes optisches Highlight.

Wenn man an ein Wolfsrudel denkt, das wild durch den Wald prescht und die Fährte seiner Beute verfolgt, hat man ein etwas unbehagliches Gefühl. Jeder weiß, dass Wölfe Jäger sind - auch, wenn sie Menschen normalerweise meiden und uns nicht gefährlich werden.
Grace hingegen hätte allen Grund Angst vor den Wölfen im Wald hinter ihrem Haus zu haben: das 17-jährige Mädchen wurde als Kind von einem Rudel Wölfe von ihrer Schaukel gezerrt und beinahe getötet - hätte nicht der Wolf mit den leuchtend gelben Augen sie gerettet. Seitdem beobachte sie die Wölfe jeden Winter von ihrem Garten aus und hält dabei besonders Ausschau nach "ihrem Wolf", dem sie ihr Leben verdankt.

Im Sommer zeigt das Rudel sich nie, aber pünktlich mit dem ersten Frost weiß Grace, dass sie ihn bald wieder sehen wird, wie er am Waldrand steht und zu ihr hinüber sieht.

Erstmal muss ich noch gestehen, dass mich das Buch anfangs gar nicht so fesseln konnte. Die Geschichte plätscherte dahin, die Beziehung von Grace und Sam entwickelt sich anfangs eher unspektakulär und stellenweise fand ich es schon etwas langweilig, daraus hätte man sicherlich mehr machen können. Allerdings waren mir die Charaktere sofort sympathisch und obwohl ich mir am Anfang etwas mehr Handlung gewünscht hätte, wollte ich dennoch wissen, wie es weitergeht. Und dann hat mich diese Geschichte doch noch voll gepackt. Ich weiß gar nicht genau auf welcher Seite es passiert ist, aber irgendwann war ich so in der Geschichte gefangen, dass ich nicht mehr aufhören konnte und es in einem Rutsch zu Ende gelesen habe.

Die Ereignisse überschlagen sich plötzlich, die Handlung zieht einen in ihren Bann und die Liebesgeschichte zwischen Grace und Sam ist irgendwann so traurig-schön, dass man sich fast schon ein paar Tränchen verdrücken muss.

Die Charaktere sind interessant und glaubhaft gezeichnet, sodass es Spaß macht ihre Entwicklung zu verfolgen. Grace ist keine der beliebtesten Schülerinnen auf der Schule, aber sie ist auch nicht schüchtern und zurückhaltend, sondern schlagfertig, klug und willensstark... was sie unheimlich sympathisch macht. 

Auch Sam ist weder ein Superheld, noch ein leidender Jammerlappen: er ist witzig und liebt Gedichte von Rilke. Er ist eigentlich der völlige Softie aber in seiner Rolle so süß und überzeugend, wenn er in Gedanken seine schönen Songtexte in Begleitung einer Gitarre vor sich hin summt oder grüblerisch in der Bibliothek sitzt, dass ich ihn sehr schnell ins Herz geschlossen hatte. Und auch die Nebenfiguren, wie z.B. der Rudelführer Beck, die eifersüchtige Wölfin Shelby oder Grace eigenwillige Eltern fügen sich harmonisch in die Handlung ein.

 Der Originaltitel "Shiver" (engl. zittern, frösteln, erschaudern) passt wie angegossen. Mich fröstelt es immer noch, wenn ich ans Lesen zurückdenke. Die Kälte - sie ist der Feind von Grace und Sam. Mit ihr kann es ganz plötzlich vorbei sein, und die beiden könnten ihr gerade gefundenes Glück für immer verlieren.

Die Idee, dass nicht der Vollmond, sondern die Temperatur einen Einfluss auf die Gestalt der Werwölfe hat, ist für mich vollkommen neu und war dennoch - oder gerade deshalb - spannend und nachvollziehbar.

Die ständige Sorge vor der möglichen Verwandlung Sams ist auch das Hauptthema des Buches und trägt damit den kompletten Rest der Geschichte - alles baut sich um diese Sorge herum auf. Anders als bei vielen anderen Büchern dieses Genres geht es hier nicht allzu kitschig zu. Graces Ängste und Sorgen, aber auch ihre Gefühle für Sam werden wahrhaftig und realistisch dargestellt, sofern das eben möglich ist, wenn es um die Liebe zu einem Werwolf geht.
Neben den zauberhaften Protagonisten setzt das Buch auf viel Gefühl und Detailtreue. Die Beschreibungen sind so fantastisch, dass man meint, die Wälder von Mercy mit dem Wolfsrudel vor sich zu sehen oder gemeinsam mit Grace zu erleben, wie sich Sam anfühlt und riecht. Selten hat mich ein Jugendbuch so berührt und fasziniert.

Nicht zu verschnörkelt, aber alles wird wunderbar beschrieben, so dass man schön ins Träumen kommen und in die erschaffene Welt abtauchen kann. Das Buch ist abwechselnd aus Grace und Sams Sichtweise geschrieben - was mir sehr gut gefällt. Schöne landschaftliche Beschreibungen wechseln in ruhige Spannungsbögen, die unter anderem von den vorangestellten Temperaturangaben angeheizt werden, die einen beim Lesen darum bangen lassen, ob Sam sich verwandeln muss oder ob ihm wohl noch ein paar Tage mit Grace bleiben und uns damit zwingen quasi immer noch eins der Kapitel zu lesen.
Kleine Ungereimtheiten, die ich hier nicht nennen kann ohne Teile der Handlung zu verraten, lassen sich ohne weiteres verschmerzen und mindern den Lesespaß nicht wirklich.
Was ich auch sehr toll fand, waren die vielen "Gänsehautsätze". Hier ein paar Beispiele, die ich auf die Schnelle gefunden habe:

"Kurz wünschte ich mir, er wäre nur ein ganz normaler Junge, ... . Doch das war er nicht. Er war so vergänglich wie ein Schmetterling im Herbst, der den ersten Frost nicht überleben würde." 


"Sie war das schönste Mädchen, das ich je gesehen hatte, ein kleiner, blutender Engel im Schnee. Und die anderen wollten sie töten."


"Ich will dich immer spiegeln in ganzer Gestalt, und will niemals blind sein oder zu alt um dein schweres schwankendes Bild zu halten. Ich will mich entfalten. Nirgends will ich gebogen bleiben, denn dort bin ich gelogen, wo ich gebogen bin. " (Rainer Maria Rilke)


"Wir haben keine Zeit, um traurig zu sein."


"Was immer er auch sein mochte, er war hier bei mir und ich würde ihn nicht mehr gehen lassen."
     
Chrashing into the trembling voidstretching my hand to you
losing myself to frigid regret
is the fragile love
a way
to say
good-bye
(Songtext von Sam)
 

Da es sich um den Beginn einer Trilogie handelt, endet das Geschehen mit einem offenen Ende und man möchte sofort mit dem 2. Band weitermachen.

 

Fazit:

 Ein wunderschönes Buch, das vor allem aufgrund der sensibel gezeichneten Charakter und des schönen Schreibstils viele Emotionen hervorruft und mich sehr überzeugt hat.