Montag, 15. August 2016

Shai´lanhal

 



Allgemeines:

Titel: Shai´lanhal
Autor: Susanne Gavénis
Verlag: Susanne Gavénis; Auflage: 3 (7. April 2016)
Genre: Fantasy
ISBN: B01DZSC5RY
Seitenzahl: 590 Seiten
Preis: 3,99€ (Kindle - Edition)
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Inhalt:
 
Shaan wäre gern ein ganz gewöhnlicher Junge, doch das Schicksal hat ihm einen anderen Weg vorherbestimmt: Er ist der Shai'lanhal, der Beschützer der Lanhal, der Inkarnation des Guten, die alle zwanzig Generationen in Gestalt eines gewöhnlichen Mädchens wiedergeboren wird.
In einer alles entscheidenden Schlacht wird die Lanhal mit dem Yinyal, der Verkörperung des Bösen, um die Zukunft der Menschheit ringen, doch solange ihre wahre Macht noch nicht erwacht ist, ist die Lanhal allen Angriffen schutzlos ausgeliefert. Mit seiner Fähigkeit, Wind und Wasser zu beherrschen, muss Shaan sie vor seiner schrecklichen Gegenspielerin beschützen, die ebenfalls über zwei Elemente gebietet – Feuer und Erde. Angesichts der unvorstellbaren Grausamkeit seiner Gegnerin kommen dem sechzehnjährigen Shaan jedoch schnell Zweifel, ob er seiner Aufgabe tatsächlich gewachsen ist. Nur eines ist sicher: Sollte er versagen, wird nicht nur die Lanhal sterben, sondern die ganze Welt für die nächsten vierhundert Jahre in Dunkelheit versinken.
Bewertung:
Von diesem Buch war ich regelrecht begeistert! Schon nach dem ersten Satz dachte ich einfach nur "WOW", denn es beginnt mit dem gewaltigsten Gewitter, das man sich nur vorstellen kann. Ich wusste sofort, das dieses Buch noch einiges zu bieten hat...
"Gezackte Blitze spalteten den Himmel, leckten wie gierige Feuerzungen dem Boden entgegen und rissen das Land für Sekundenbruchteile aus der tiefen Finsternis, die es schon vor Tagen verschlungen hatte..."
Das Cover des Buches zeigt eine Frau mit langen wallenden Haaren, welche den Leser mit glühend roten Augen anzustarren scheint. An ihren Händen sind orangene Flammen zu sehen, welche aufgrund des dunkel gehaltenen Hintergrunds noch stärker aufzuleuchten scheinen. In ihrem gepanzerten Anzug sieht sie fast ein bisschen aus wie ein Insekt, wirkt aber vor allem eines: Böse!
Und das passt auch perfekt, denn das Wesen, das dort abgebildet ist soll die Shai´yinyal darstellen, die Beschützerin der Inkarnation des Bösen. Sie kann die Elemente des Feuers und der Erde beherrschen.
Das Cover passt eigentlich recht gut, ich hätte aber eher Shaan oder Deleja abgebildet, da die beiden eben die Hauptcharaktere sind. Es wirkt so zwar interessant und bedrohlich, doch für den Buchinhalt meiner Meinung nach viel zu Manga mäßig. Mit den grellen Farben und dem unechten Wesen, passt es nicht wirklich zu der beinahe mittelalterlichen Stadt, den realistischen Charakteren und den interessanten Szenerien.
Das Buch beginnt mit einem recht langen Prolog schon sehr interessant. Man nimmt als Leser an der Nacht von Shaans Geburt teil und erfährt gleich den Grund für das abweisende Verhalten von Shaans Vater, Gefflan Geyseré. Seine Frau Sheena stirbt im Kindbett während draußen außerhalb der Burg die Elemente toben und sich auf den kosmischen Kampf vorbereiten und sein somit einziger Sohn Shaan wird vom Schicksal dazu auserwählt der Lanhal im kosmischen Kampf beizustehen und sie mit seinem Leben zu beschützen.
"Warum er?", schluchzte Gefflan gequält. "Warum mein Sohn?"
Aber er fand kein Mitleid, sondern nur Ernst in den Augen seines Vaters. "Du solltest diese Frage nicht stellen, Gefflan, denn du wirst keine Antwort darauf finden. Akzeptiere dein Schicksal. Du kannst von dem Weg, der dir vorbestimmt ist, ebenso wenig abweichen wie Shaan. Und vergiss nicht: Die Bürde, die dein Sohn tragen muss, ist weitaus größer als deine!“
 
Alle 20 Generationen werden in einer Nacht der böse Yinyal und die gute Lanhal in der Gestalt eines gewöhnlichen Jungen und Mädchen geboren sowie jeweils ihre Shais. Der Shai´lanhal, Beschützer der Lanhal und die Shai´yinyal, Beschützerin des Yinyals. Der Shai´lanhal beherrscht die Elemente Wind und Wasser während der Shai´yinyal Feuer und Erde untertan sind. Beide könne außerdem noch Menschen beeinflussen, spüren aber, wenn der jeweils andere ihre oder seine Magie einsetzt. Auch wenn diese Namen jetzt erstmal verwirrend klingen, sind sie einfach auseinanderzuhalten und nach den 603 Seiten kommen sie einem ganz normal vor. Ich finde diese Begriffe sehr interessant gewählt, da es sie so noch nicht gibt und es eine Sache ist, die das Buch einzigartig macht. Die Shais wissen von Anfang an über ihre Bestimmung bescheid und werden bis zu ihrem sechzehnten Geburtstag von ihrem Sarn, ein Elternteil, darauf vorbereitet. So muss der junge Shaan mutterlos nur mit seinem verbitterten Vater in einem einsamen Gebirgstal aufwachsen.
"Das klare, tragende Lied des Morgensängers, mit dem der winzige, unscheinbare Vogel auf unnachahmliche Weise die aufgehende Sonne begrüßte, hallte durch das Tal, brach sich an den Felsen zu einem vielfachen Echo und wehte durch das geöffnete Fenster des kleinen Backsteinhauses, über dem noch die Schatten de Nacht hingen. Die verspielte Melodie weckte Shaan, so wie jeden Morgen..."
Das sind die ersten zwei Sätze des ersten Kapitels, welche meiner Meinung nach gut den Schreibstil der Autorin widerspiegeln. Sie versteht es meisterhaft, auf verspielte und unglaublich detailgetreue Art die Umgebung der Charaktere darzustellen, womit sie einen angenehmen und lockeren Flair über den Plot legt, während das Ausmaß der Handlung immer epischer und gewaltiger wird. Die vorindustrielle Welt in der die Charaktere leben ist zwar wie auch das mit dem kosmischen Kampf nichts direkt Neues, doch einfach super umgesetzt. nicht zuletzt durch den Schreibstil erwacht das Tal und später die Stadt Golgamat zum Leben.
In dem einsamen Tal Hallagat ist aber für Shaan nicht viel Zeit, die Schönheiten der Natur zu genießen, denn er wird von seinem Vater gelehrt, seine Magie einzusetzen, sein Körper auf außergewöhnliche Leistung getrimmt und sein Gehirn mit Wissen und verschiedenen Szenarien des Kampfes vollgestopft. Sein Vater lässt keinen Platz für etwas anderes als den Kampf und macht ihm immer wieder klar, dass das sein einziger Daseinszweck ist und wenn er ihn nicht zu genüge erfüllt, die Welt für 20 Generationen in die absolute Dunkelheit gestürzt wird. Denn wenn die Lanhal vor dem Kampf stirbt oder der Yinyal siegt, wird das Böse die Welt beherrschen bis das nächste Gespann etwa 400 Jahre danach den Kampf erneut entscheidet. Für mich sieht das nach einer ganz schönen Motivation aus, also ist es kein Wunder, das Shaan ständig an sich zweifelt. Trotz seiner Fähigkeiten und Stärken ist er unglaublich unsicher und schüchtern, was ihn menschlich und sehr jung wirken lässt. Er beweist immer wieder seinen Mut, Durchhaltevermögen und trotzdem Moral und Köpfchen, was ihn für mich sehr sympathisch gemacht hat. Er hat diesen unverbesserlichen Drang, allen und nicht nur der Lanhal zu helfen, auch wenn das seiner Gesundheit nicht gerade förderlich ist. Da man sehr viel von seinem Innenleben mitbekommt auch wenn es "nur" aus der Er-Perspektive geschildert ist und das Buch ja wahrlich lang genug ist, kennt man ihn als Leser zum Ende hin fast wie eine richtige Person. Seine Gefühle, Gedanken und Ängste werden realistisch wiedergegeben und so muss man sich einfach in ihn verlieben.
"Seine Stimme verstummte plötzlich, als hätte sich von einem Moment auf den anderen eine unendlich tiefe Kluft zwischen ihnen aufgetan. kein Geräusch der Umgebung drang mehr an Shaans Ohren. Seine Augen standen weit offen, doch er nahm nichts wahr, lauschte allein dem hellen, glockenklaren Lied, das mit einem Mal seine Seele erfüllte. Eine Melodie, zarter und lieblicher als alles, was er je zuvor vernommen hatte, hallte rein und licht in ihm wider und machte ihm das Herz schwer und weit zugleich. (...)
"Ich kann es fühlen. Sie ruft mich. Sie wartet auf mich!"
An seinem sechzehnten Geburtstag vernimmt er dann den Ruf der Lanhal in seinem Inneren, der ihn direkt zu ihr führen wird und so macht er sich mit seinem Vater auf den Weg zu der großen Stadt Golgamat in der sie als älteste Tochter eines sehr reichen Kaufmans lebt. Erst nach etwa 80 Seiten taucht dann Deleja, die Lanhal und zweite Hauptcharakterin zum ersten Mal auf. Ab diesem Moment switchen die Perspektiven immer wieder zwischen Shaan und Deleja.
Auch sie ist ein sehr interessanter Charakter. Als älteste Tochter einer reichen Familie mit zwei jüngeren und bildhübschen Schwestern muss auch sie mutterlos aufwachsen und die Rolle eines Sohnes einnehmen. Auch wenn ihr der Handel nicht sehr viel Spaß macht und sie lieber wallende Kleider getragen hätte, bereitet sie sich vor, das Erbe ihres Vaters antreten zu können. Auch sie hat mit ihrer Unsicherheit und einer Bürde zu kämpfen, die sie gar nicht wollte, vor allem da ihr Vater vorhat sie gegen ihren Willen zu verheiraten. Sie ist ein Charakter, der sehr schwierig zu beschreiben ist, da Susanne Gavénis es geschafft hat, durch leise Untertöne ihr Innenleben zu zeichnen. Sie glänzt durch das, was sie nicht sagt, einfache Gedanken, die Ruhe, die sie im Rosengarten findet und ihre Liebe zum Meer. Ihre Entwicklung ist unglaublich, ganz langsam Schritt für Schritt bewegt sie sich auf das Verstehen zu und lernt dabei auch mehr über sich und das Leben. Wenn sie am Anfang noch sehr zurückhalten ist, wird sie immer mutiger, selbstständiger, lernt ihre Meinung zu sagen und steht Shaan tatkräftig zur Seite bis es zum finalen Kampf kommt. Es macht viel Spaß ihr praktisch dabei zuzusehen, wie es in ihrem Köpfchen rattert, wobei es auch manchmal fast unaushaltbar ist, sie eine Dummheit begehen zu sehen und nichts sagen zu können.
"Das leise Rauschen der Brandung empfing sie wie einen lange vermissten Freund, als Deleja ihre Hände auf die Brüstung der Terrasse legte und ihren Blick versonnen über das weite Meer schweifen ließ. Der raue Stein war dunkel vor Nässe, und überall auf den Dächern, Erkern und Straßen glitzerten Pfützen wie Diamanten im Licht der untergehenden Sonne..."
Auch andere Charaktere sind gut dargestellt, doch die beiden stehen eindeutig im Vordergrund, sodass andere etwas verschwinden.
Die beiden scheinen perfekt zu einander zu passen und natürlich kommen sie sich immer näher und entwickeln Gefühle. Diese bleiben bei diesem Buch etwas im Hintergrund, doch das passt perfekt zu den beiden Charakter die sehr zurückhaltend, zartbesaitet und unsicher sind.

Sie hat zu Beginn überhaupt gar keine Ahnung von der Rolle, die sie noch spielen soll und so hat es Shaan sehr schwer an sie heran zu kommen. Er schleust sich mit Hilfe seiner Fähigkeiten in den Hof ein und beschützt sie vor der drohenden Gefahr. Denn auch die Shai´yinyal ist in Golgamat eingetroffen und beginnt rücksichtslos mordend nach den beiden zu suchen. Für Shaan beginnt also ein Wettlauf gegen die Zeit bei dem er versuchen muss, nicht aufzufliegen, Deleja zu beschützen, sie an ihre wahre Identität heran zu führen, den Yinyal zu finden und die Shai´yinyal aufzuhalten.
"Wie viele Menschen waren bereits gestorben, nur weil er zu dumm oder, wieder einmal, zu langsam gewesen war? Er kannte die genaue Zahl. Sie brannte in seiner Seele wie eine Feuerlohe der Shai´yinyal."
 
Die Spannung ist trotz der langsamen Entwicklungen und genauen Beschreibungen die ganze Zeit vorhanden. Natürlich ist es eigentlich schon von Anfang an klar, wie der Kampf enden wird, doch trotzdem ist der Weg dorthin sehr steinig und es ist nicht klar, ob beide noch leben, wenn der Kampf erst losgeht. Die Handlung entwickelt sich rasant und es passiert ständig etwas anderes.
Natürlich gibt es einige kleine "Logikproblemchen", die sich bei mir aufgetan haben. Das mit den Regeln beim Kampf habe ich nicht ganz nachvollziehen können und auch wann genau der jeweils andere Shai jetzt spürt, wenn der andere seine Magie einsetzt und wann nicht, habe ich nicht verstanden. Es klang manchmal etwas konstruiert. Doch dafür, das die Handlung so gewaltig und allesumgreifend ist, ist sie sehr gut und logisch umgesetzt.

Im Umgang mit der Inkarnation der eigenen Seite gibt es klare Regeln:
 

  1. Die Lehrer dürfen die Shais nach der Begegnung mit den Inkarnationen nicht mehr unterstützen.
  2. Die Shais dürfen den Inkarnationen nichts über ihre Bedeutung und Kräfte sagen.
  3. Die Beschützer dürfen ihre eigene Rolle nicht preisgeben.
  4. Die Beschützer dürfen vor ihrer Inkarnation ihre Magie niemals so einsetzen, dass sie sie als Urheber der Magie erkennen könnten.
  5. Die Beschützer dürfen niemals über Magie Kontrolle auf die Inkarnationen ausüben.
  6. Wer die Regeln missachtet, hat verloren.

 
 
Die Länge des Buches wird vielleicht den ein oder anderen abgeschreckt haben, doch nur so ist den Charakteren genug Zeit gelassen sich zu entwickeln und auch wir können schön mit rätseln. Für mich verging die Zeit wie im Flug und nach einem Tag war ich beim finalen Kampf angekommen, bei dem die Spannung und Action noch einmal gipfelt.
"Wind und Feuer fochten einen elementaren Kampf aus, brüllten, tosten und schrien, und doch rückten alle Laute von Deleja ab, als sei sie in die tiefste Tiefen des Ozeans hinabgesunken, an einen Ort, der weder Licht noch Tönen jemals Zutritt gewährte."
Das Ende danach war zwar schön zu lesen, doch meiner Meinung nach nicht zufriedenstellend. Das und das Cover sind wirklich die einzigen Kritikpunkte, die mich davon abhalten, diesem tollen Roman 5 Sterne zu geben.
Ich finde, die Autorin hat sich genau am Ende viel zu wenig Zeit gelassen. Direkt nach dem Höhepunkt ist plötzlich alles gut und schön, und manche würden vielleicht sagen - kitschig. Es werden kaum übrige Fragen beantwortet und ich habe nicht genau verstanden, wer jetzt genau alles vergessen hat und wer wen jetzt kennt und was denkt und warum. Außerdem wurden außer Deleja und Shaan so ziemlich alle anderen Charakter plötzlich weggelassen. Ein paar mehr Erklärungen hätte ich mir also gewünscht.
Trotzdem würde ich sehr gerne weitere Bücher der Autorin lesen und möchte ihr an dieser Stelle danken, dass sie uns ihr Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat und es somit erst möglich für mich gemacht hat, Shaan, Deleja und all die anderen kennenzulernen.
 
Fazit:
"Shai´lanhal" ist wie schon der Titel ein einzigartiger Fantasy-Roman, der uns Leser in eine wunderschöne Welt mit zwei tollen Charakteren entführt. Mit einem unglaublichen Schreibstil, durchgehender Spannung und einer gut durchdachten Handlung ist dieses Buch wohl die Überraschung des Sommers.

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